unitas?

unitas?

In vielen Theorien ist die Rede von der Symbiose Kind – erste Bezugsperson und einem (lebenslangen) Wunsch in diesen Zustand, in diese Art Einheit, im Grunde zurück kehren zu wollen. Die entstandene Kluft schließen.

Gibt es etwas dieser Symbiose vorgängiges? Wenn die Geburt als erste traumatische Erfahrung gedacht würde, als erster Einschnitt, eine “apokalyptische Katastrophe“, dann müsste diesem Ereignis ein irgendwie gearteter Zustand vorangehen? Nur so kann etwas einschneiden, ein Ereignis eine Markierung setzen?!

Ein Gedankengang, der mich von der Symbiose im Sinne des ‘Zurück in den Mutterschoß’ wegführt, hin zu einer Art unitas im eigentlichen Sinne:

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Im Film “Conspirators of Pleasure” von Jan Svankmajer gibt es eine Szene, in der eine Nachrichtensprecherin etwas reales erlebt, einen Orgasmus, an einem Tisch sitzend. Unterm Tisch ein Bottich, eine Schüssel mit Wasser und zwei Fischen, die an ihren Zehen saugen.

Was macht die Szene so markant?

Die Vorstellung, etwas saugt an den Zehen, ist ja schon mal ganz nett. Die Vorstellung, dies passiert mit den Füßen unter Wasser, noch mehr. Aber so ganz das ist es nicht. Ganz unter Wasser? Schwerelos. Ruhe. Ein eigener Rhythmus, eine Harmonie. Und diesen Rhythmus, das sucht man, da will man hin – Gleichklang. Vielleicht findet, nun romantisch gedacht, man manchmal Menschen, in denen derselbe oder ähnliche Rhythmus pulsiert und die eine ähnliche Harmonie in sich bergen und hier sucht man dann nicht mehr, man hätte gefunden?! Aber immer im eigen-tlichen Sinne, der eigene Klang, Rhythmus bleibt, muss bleiben um mit dem/der Gegenüber gleich/ähnlich/überhaupt klingen zu können?! Ein ‘eins’ werden (wollen) widerspräche dem und würde es verunmöglichen. Das wiederum passt in vorhandene Theorie oder eckt an?

Zurück unters Wasser: In den Sinn kommt ein Fötus der an seinen Zehen, seinen Daumen saugt.

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Unitas – eine tatsächliche Einheit, ein reales Bündel ‘aufgelöst’ in einer, ja vielleicht,  Ursuppe? Die Symbiose stelle somit eigentlich immer schon eine Zweiheit dar und eine eigentliche Einheit liegt vor dieser symbiotischen Einheit. Die Mutterfigur wird wohl verbleiben als zunächst einheitlich empfundene, also nicht als Andere, aber was passiert beispielsweise mit den Stadien in ihrem Anspruch, in ihrem Begehren sein? Welche Rolle würde etwas Vorgängiges spielen? Was nimmt ein  Fötus in dieser Phase, wenn überhaupt, wahr? Wie würde in diesem -absolut a-symbolischen Raum – wahrgenommen und wie würden diese Eindrücke im Präsubjekt ‘abgelegt’? Wäre das der Rhythmus der sich etabliert?

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Wenn es dieses Zurückkehren-wollen gibt, wollen wir dann ‘zur’ Mutter, in den symbiotischen Zustand? Ist sie vielleicht nur Repräsentanz für etwas Vorgängiges? Lastet dann an oder auf ihr nicht etwas zu viel an Theorie und Deutung? Oder bleibt ein Vorgängiges auch in der Theorie quasi irrelevant, weil es zu vor-gängig ist und nicht (be)greifbar, somit nicht theoretisierbar?

[Anmerkung/Fortsetzung zum oben Geschrieben]

Also vielleicht ja doch oder vielleicht ja doch garnicht:

Lacan Seminar IV: “Das Es*, … , ist Signifikantartiges, das bereits im Realen da ist, unverstandenes Reales.  … es ist nicht ich weiß nicht welche primitive und verworrene Eigenschaft, die ich weiß nicht welcher prästabiliserten Harmonie entstand – eine Hypothese, zu der immer wieder diejenigen zurückkehren, die in dem Fall schwache Geister zu nenne ich nicht scheuen werde”

War es das, um das ich mich drehe im unten stehenden Text?…Eigentlich nicht, oder doch? Kommt darauf an, wie man herangeht. Das wo herum ich versucht habe hin zu denken, da ist ja eigentlich nichts, oder schon, aber ohne Diskurs, oder … ja keine Worte.

“Hinter den Signifkanten habe ich Ihnen das Schema der letzten Realität gesetzt, die für das Signifkat völlig verschleiert ist”> Weil da nichts ist, wie der Blick des Anderen verschleiert ist, da wird nichts kommen, oder meint er hier etwas anderes.

So oder so: Wäre das die Ebene der Sprache und man könnte, einen Schritt weiter, von den Dingen hinter dem Spiegel, wo Worte schon vage werden  … noch.. sprechen?

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“Die Existenz des Signifkanten – gebunden an die Tatsache das der Diskurs existiert”. In dem drehen wir uns. Sprache ist jedenfalls mehr als Buchstaben, die Worte bilden, die bezeichnen und in Satzketten formulieren. Und Sprache ist nicht alles, kein Garant, aber Möglichkeit.

Wenn – dann, aber

 

Dialog:

Ur-theilung: „Muss es nicht vielmehr darum gehen, diese “entstandene Kluft”, diesen Mangel, der das Begehren (den “Wunsch”) verursacht, als etwas zu denken, dem gerade keine ursprüngliche Einheit vorausgeht? Ist der Punkt nicht der, dass dieser “Wunsch” des Subjekts, diesen Zustand wiederherzustellen, einer ist, dem eine Fiktion, nämlich eine Rückprojektion eignet; und ist es also nicht so, dass das Subjekt – analog vielleicht der Freudschen Deckerinnerung – sich gerade dieses wünscht, um nicht der nackten und trostlosen Wahrheit direkt begegnen zu müssen, dass es nämlich ein solches, nach dem man sich sehnt, nie gegeben hat und auch nie geben wird können?“

 

Die Einheit, die ich angedacht hatte, war eine, die keine denkbare, sprechbare, formulierbare, theoretisierbar ist. Ein Zurück gibt es hier nicht. Es repräsentiert sich aber etwas, woran wir vielleicht eine Art (wieder)Erkennen verspüren. Dieselbe Unmöglichkeit gilt für eine Art Rückkehr zu etwas symbiotischen – was zunächst als Einheit wahrgenommen würde, aber eine Zweiheit ist – das wäre dann die Etablierung der Kluft – diese würde wieder geschlossen werden wollen. Hier ist bereits auch Sprache, hier sind Personen.

Die im Text überlegte Art der Einheit wäre eine, die keine Zweiheit werden kann, da sie noch ohne die Mutterfigur Statt hat (eigentlich auch keine Einheit, da das Subjekt da noch kein ‚Ein‘ ist für sich, sondern nur Modus?). Ohne Mutterfigur, da der Ort in ihr ist. So wie wir auf der Welt, im Universum, wäre für ein Fötus dieser frühe Lebensraum etwas ähnliches. Ohne Personen, ohne Sprache, keine Theorie. Die Theorie beginne in der Welt, da ist die Mutter, die eine andere wird, da sind weitere Personen, da etablieren sich Brüche, Klüfte, erste Schritte. Die eigentliche Einheit – hinterließe aufgrund des rein realen Ambientes nur Spuren, wie ein Rhytmus. Der bleibt und mit dem kam ich zum Gedanken des Gleichklangs. Andere Menschen, andere Rhytmen, ähnliche Rhytmen. Vielleicht ähnlich zu denken wie Phantasmen (dem zuGrunde liegend?!). Die Thematik des Begehrens bliebe (?) dieselbe, entwickelt sich vor allem ‘später’, imaginär-symbolisches Ambiente.. und dieser Rhythmus, um den ich da herumgehe, der liegt da quasi drunter, ist vlt sogar ‘unter’ dem Fundament, etwas was noch nicht strukturiert sein könne wie eine Sprache?

 

Ur-theilung: Aber repräsentieren kann sich doch (etwas) nur in Sprache und ein „(Wieder)Erkennen“, selbst wenn wir es nur spüren, kann doch auch nur innerhalb des Denkbaren, also innerhalb der Sprache sein? Und was wird „zunächst als Einheit wahrgenommen“ und wann und von wem?

Und wenn diese Einheit etwas sein soll, das „keine Zweiheit“ werden kann, so beweist dies doch wiederum, dass dies eine Rückprojektion, eine Fiktion ist – denn eine Zweiheit ist es, was immer es auch war, doch ja wohl jedenfalls geworden.

Kann es sein, dass diese Überlegungen zu einem Symbiotischen, zu einem ursprünglichen Einen, das nur Spuren, Rhythmen, Spuren von Rhythmen usw. hinterlässt, eine ist, die von Kristevas Begriff des Symbiotischen“ herkommen? Klingt jedenfalls so ;)

Repräsentieren und Wahrnehmen, vlt hab ich da mit schlechten Begriffen gearbeitet. Fraglich vielleicht, wo nun Sprache/Sprachliches anfängt, nach einer Geburt ist da etwas Symbolisches, diese Ordnung “da”? Ja und Nein, denke ich. Ja, weil ein Subjekt in gewisser Weise bereits ‘immer schon’ eingebettet ist in Symbolisches, andererseits nein, der Weg zum S vollzieht sich noch (Eintritt in die Symb.Ordnung)… .Die Geburt: eine Art Ur-teilung [sorry,aber das bietet sich so an;-)] – die erste Kluft, Geburt als Ur-trauma usw. und vorher..? Da gehen die Begriffe aus, sage ich Erfahrungswelt, impliziere ich ein Subjekt, welches Erfahrung ‘machen’ kann. etc. Die ‘wahrgenommene’ Einheit (vorher), die versuchte ich eher als etwas zu umschreiben, was nicht ‘ist’, weder denkbar, noch sagbar, inwieweit ich hier zum Unbewussten gehen würde, keine Ahnung. Rein etwas, das so eine Art Grundmodus legt. Modus im Sinne von Klang, meinetwegen Bewegung. Wie auch immer. Das bleibt, aber jenseits. Ohne die Möglichkeit Sinn zuzuschreiben, was auch garnicht nötig ist.

Und die Einheit, kann keine Zweiheit werden im Sinne von, dass auch das nicht nötig ist. Die Zweiheit – Symbiose – schließt das aber nicht aus. Wäre eine andere Ebene. Ich komme nich wirklich voran mit dem Erklären, mein Text war auch eher ein erster Versuch einer Ausarbeitung einer Gedankenspielerei und einer Idee. Kristeva + Symbiotisches sagt mir ad hoc (peinlicherweise) wenig, Abjekt sagt mir etwas, Ausstoßen etc – müsste aber nochmal reinlesen, … vielleicht komm ich dann näher ran an das ‘Klingen’

 

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