Augen raus?

 

Sprechende Körper. Körper in ihrer Art sich zu bewegen, Körper die sich zeigen auf diese oder jene Weise, Stellen, die verweisen, die sichtbar machen. Und dahinter, Menschen, die wurden und werden. Stolpernd. Nicht nahtlos. Körper, die sichtbar sind, die erscheinen-machen und sein-machen, erkennbar sein im Scheinen, sozusagen. Über die wir dann sagen so oder so. Wir sagen, wir sprechen nur. Über Bildhaftes. Wir versuchen zu verorten, was sich zeigt, über unser oft unsägliches blabla. Im Reden, über die Sprache, als wäre hier Wahrheit, Sein, als wäre hier tatsächlich etwas. Dabei reden wir nur. Schreiben nur. Über das, was wir sehen und erkennen wollen, festmachen.  Dann sagen können Ich weiß, es ist… . Wenn wir noch nicht sprechen. Wie ist das da?

Das Sehen, im Bild was finden, was uns halten-machen macht. Mit Pazzini Lacan erläutert sagt dieser, dass das Reale der Ursprung der Bilder sei, die Bilder „springen hervor zum Schutz vor dem Fehlen, dem Loch, der Spalte, der Wunde sie verdecken es als Phantasma, machen es passabel“ [Pazzini, 1997].

Das Bild, etwas Bildhaftes, das uns rettet, vor was…. .„Alles, was das Kind in dieser Fesselung durch sein eigenes Bild lernt, ist genau der Abstand, der zu seinen inneren Spannungen besteht“ (Lacan 2003). Da ist was, nicht sagbar, real, nicht sichtbar, fort. Also holen wir´s her, wir holen uns heraus um zu werden, um zu sein. Das was da nicht mehr ist, in Momenten im Entwickeln, im Werden, wo wir zunächst in geregeltem Scheissen und Fressen uns gezeigt haben und … ja..eigentlich formuliert haben, da kommt irgendwann der Moment, -φ, Phallus,  da ist nichts, der Andere, pur da, so müssen wir φosition-beziehen. Und für den Moment, fehlt dann was, fort. Die Brücke, die wir schlagen müssen, die uns sprechende-Sein werden lässt.

schauen wir einfach mal

„Das Spiegelbild ist zur phallischen Phase in einer korrelativen Position und in dieser geht es ebenfalls um ein Fehlen“ [Lacan 2010]. Kastration(sangst). Das SpiegelBild zeigt mich wo ich nicht bin und daran verorte ich mich, halte mich und der Andere, der wird so auch verortet. Der Andere der da einfach war, ist und nichts sagt, mir nichts gibt, ein fort macht, keine Garantie, so muss ein Subjekt sagen beginnen, sagen ‚ich bin‚ und antworten auf ein er ist oder sie ist [vgl Verhaeghe 2009]. Irgendeine Art sie, irgendeine Art er. Aber anders. Anders als der Andere.

Und Brüche können entstehen, bleiben, sind da.

“Die Konnotation geht bis zur vom Nähen hinterlassenen Spur, der Naht, und im anatomischen bis zur Narbe. Suture ist räumlich und zeitlich dimensioniert. Das Nähen selber wird mitgedacht und, daß vor dem Nähen etwas aufklaffte, ein Loch da war, zwei getrennte Seiten. Diese werden nicht restlos oder spurlos geschlossen.” [Pazzini 1997]

Manchmal muss man dann arbeiten, Wege finden, diese zwei Seiten zu positionieren. Sich als Drittes zu finden. Nähen. Sein tun alle. Alle die sagen Ich, sind zumindest in der Sprache, da.  Unser Bild wird so bezeichnet und bedeutet. Der Eintritt in die Sprache vollzieht sich entlang des Bildes und dieser Vollzug  gebe uns eine Art Subjektivität wieder .. so würde das Lacan beschreiben, also ein Ich-bin-mein-(Spiegel)Bild und daraus ein Ich-bin und das Bild verschwindet sozusagen ganz selbstverständlich hinter dem Ich, weil es ist (scheinbar). Oder?

“Es geht dann um den immer wieder neuen Versuch, beide “Seiten” zu vernähen aus der Not einer Öffnung, eines Loches, eines Fehlens, das sich nicht von selber schließt zur Ganzheit.” [Pazzini, 1997]

Die Ganzheit. Unser Ich. Ein Körper, ein ganzer-beweglicher, der sich sagen lässt. Ein Körper, der zunächst ganz werden soll, der ein mich, ein Ich stützen oder beherbergen soll. Bei vielen klappt das nicht, da ist was, da, mehr. Das schlägt sich nieder auf dem Körper, wird zum Bild. „Die ewige Evidenz“ [Wenner 2001] entlang derer Markierungen gesetzt werden. Positionen machen.

Halt-machen-werden?

Eine Kluft, die kommt, weil wir sprechen, reden, erzählen, uns sagen, Ich-sagen und weil wir immer anders sind, anders vom Andern. Die Kluft wird vernäht, sichtbar gemacht?

Irgendwo fand ich eine Art Erklärung des tieferen Sinns abseits vom Ödipuskomplex bei Lacan, ich glaube Seminar X, Ödipus, der sich die Augen raus kratzt, im Text aus Schmach, im tieferen Sinn aus einem bestimmten sich-Gewahr-werden heraus. Ein ins-‚Sein‘-kommen, sich gewahr-werden der Nahtstelle? Sichtbar gemacht durchs nicht mehr Sehen? Die Augen auskratzen, im übertragenen Sinne, sollten wir wohl. Sichtbares zeigt nur etwas, deutet an, verweist auf, etwas. Real, das ist immer da, um es zu sehen, Augen raus und dann halt-machen. Weiter gehen?

 Da gibts noch so viel zu sagen, zu vermuten, sich zu drehen – somit workinprogress

Lit: Pazzini – „Geschichte einer Rezeption“/ Lacan, Seminar X, Seminar IV / Verhaeghe, Paul: Liebe in Zeiten der Einsamkeit / Wenner, Stefanie: Ganzer oder zerstückelter Körper in: Körperbilder, eine kulturelle Anatomie

 

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