differe|Nunc

Ist das Unbewusste, ein Unbewusstes präsent, immer schon ein Begleiter, also präsent als ein unser Jetzt? Freud betont, vielleicht ohne zu begreifen was er sagt, dass der Traum Präsens mache und um das drehte ich mich eh schon, in den TraumgeDanken. Was kommt im Traum zu uns in unserer Erinnerung im Erwachen – Unbewusstes? Zwar dann schon sortiert, erklärt, sortiert, nach besten Bemühen, dennoch unwillkürlich, wirr. Dann ist es ein Teil (zumindest) Unbewusstes. Das Unbewusste kennt keine Zeiten, keine Normen, keine Strukturen, die vermeintlich lebbare Realität ermöglichen? Ist es ein permanentes Jetzt? Ist es das, was unser Jetzt dauernd prägt, macht, strukturiert? Der Rest, das ist unser Ich, das macht Vergangenheit und Erwartung, Zukunft. Das Unbewusste ist Jetzt. Fortlaufend, ein Jetzt ohne zeitliche Bestimmung. Unbedingte Gegenwart. Unbestimmte Gegenwart. Nur das Drumherum sind wir, die wir sagen Ich, die wir sagen Ich bin, Ich werde, Ich will, Ich war. Aber wie wir handeln, was wir aktuell tun, tun können, aktuell tun wollen, das ist Unbewusst. Schräg, ist aber vielleicht so. Raum und Zeit als Vorstellungen, unsere Bedingungen für unser Sein im Sinne von Ich war und Ich werde, was sich um ein dauerndes unbestimmtes Ich bin aufbaut. Unsere jeweilige Geschichte. Im Jetzt scheint vieles nach Plan zu verlaufen. Wir handeln so, wir machen dies, aber was tun wir. Wie tun wir. Unbewusstes ist Präsens. Wir straucheln wenn dann, nur im aktuellen Handeln, im Jetzt. Wir stolpern jetzt. Wir sprechen und sagen aus, formulieren aktuell, gegenwärtig. Wir stolpern wenn dann, im Gegenwärtigen. Und legen dies ab, als Erinnerung, Vergangenheit. Das Verdrängte ist vielleicht etwas ähnliches, also Vergegenwärtigung. Abgelegtes das zurückkommt, oder wiederkehrt, oder anders: weiterhin mitgeht. Löse ich Verdrängtes auf, geht nichts mehr mit und mein aktuelles Handeln ist frei. Das Jetzt kann dann Jetzt-sein, ohne Hinterherhinken. Gibt es dann noch Stolpern? Wohl immer, unsere Matrix(en) sind fern von einem Jetzt-Sein.

Veer Books, "beyond thoughts" from ABJECTS, 2013

Veer Books, „beyond thoughts“ from ABJECTS, 2013

All dies  ließe sich unterstreichen, mit Lacan, mit Kant und Spinoza. Wär ich doch nicht so faul, um halb 5 in der Früh, oder in der Nacht. Wär ich doch jetzt nicht so faul, dann könnte ich.. . Aber jetzt  – bin ich faul – Unbewusstes gleitet und ist. Was für eine wundervolle Rechtfertigung für Faulheit, die Faulmanngasse wäre meine Adresse. Oder vielleicht wäre Trödelei der adäquate Ausdruck. Wie auch immer – sich nicht zwingen. Jetzt sein. Nur das kann sinnvoll sein, in dem es jeden Sinn negiert, weil Sinn augenscheinlich matrixial geschaffen wird. Sinn eigentlich, ist aber ein anderer. Ist ein jetziger. Jenseits von Soll und Sollte. Jetzt sein, ohne Zwang, ohne sich zwingen, sondern Harmonie als Immanenz, jetzt seiend einfach tun. Einfach tun können. Meister Eckhart kann ruhig in seinem Kleiderkasterl bleiben und Suchen und Finden. Jetzt  – im Jetzigen gibt es kein Suchen, weil alles aktuell ist. Der Rest ist Geschichte und Zukunft. Notwendiges Konstrukt, notwendige Idee, Phantasie um zu Sein, scheinbar. Damit man von sich erzählen kann. Damit Relationen aufgebaut werden können, die sich durch Beständigkeit auszeichnen. Die aber eine Jetzigkeit nicht ausschließen sollten. Treffen sich zwei Jetzts. Die kommunizieren ohne Damals ohne Dann. Sie treffen aufeinander in ihrem was jetzt ist. Also kommunizieren sie nicht. Sprache stolpert. Zuneigung ist jetzig. Immer jetzig, kennt kein Damals, keine Struktur der Ordnung, ist immer aktuell. Beständig. Wird aber kein Damals, bleibt und wird jetzt. So oder ähnlich wie Unbewusstes. Schät´s it und da dulde ich keinen Widerspruch, jetzt^^

Ein Fundstück soll als Ausklang für diese lange Nacht herhalten. Ich habe dieses Buch in einem Badezimmer gefunden, wo es, wie ich vermute, aus Gründen der Ironie liegt, aber interessierter Ironie: Meditation für Dummies, eins von vielen Büchern der Reihe „was auch immer – für Dummies“. Also genauer: Wie man – was auch immer –nicht tun sollte. Lächeln Sie in ihre Augen und dann in ihren Mund (es sei mir verziehen, dass ich mitten in eine Meditationsübung einsteige und diese nicht von Beginn an erläutere). Sammeln Sie ihren Speichel (das kann gern eine Weile dauern), schlucken Sie ihn und folgen Sie ihm durch ihre Speißeröhre. Man folge im Folgendem, selbigem Speichel, der das Verdauungssystem durchquert. Am Ende kehre man zum Lächeln zurück. Das soll Meditation sein, Menschen dazu führen, in ihrem Sein zu verweilen, sich zu fühlen, mit Liebe oder Aufmerksamkeit? Ablenken vom Alltag, in dem man funktioniert? Wie weit sind wir mit unserer Zivilisation und Kultur gekommen, dass sich solche Übungen herauskristallisieren, die anleiten, uns in unserem Hier und Jetzt überhaupt spüren zu können?! Mit einem Lächeln, .. einfach mal sein. Ohne Denken im weitesten Sinne. Spüren? Weiteres Fundstück übrigens: Das aktuelle Paradigmata, Themenschwerpunkt „Wahn|Sinn“ mit einem Beitrag von mir.

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