Gruscht.. Denken

„Ich behaupte, daß die Bibliothek unendlich ist. Die Idealisten argumentieren, die sechseckigen Säle seien eine notwendige Form des absoluten Raums, oder zumindest unserer Anschauung des Raums“

Fernando Ramos (?)

Fernando Ramos (?)

„Die Idealisten argumentieren, die sechseckigen Säle seien eine notwendige Form des absoluten Raums, oder zumindest unserer Anschauung des Raums […] Die Mystiker behaupten, die Ekstase offenbare ihnen ein kreisförmiges Gemach, mit einem großen kreisförmigen Buch, dessen Rücken rund um die Wand läuft; aber ihr Zeugnis ist verdächtig; ihre Worte sind dunkel. Dieses zyklische Buch ist Gott“

Allgemeinsätze bilden, All-Aussagen formen. Urteile bilden, tut man das laufend? Beim Übersetzen fällt sowas auf. Der Begriff contradictory, kontradiktorisch, ein Begriff, in dem sich dieser Prozess deutlich niederschlägt? Es zeigt sich etwas ausgehend von einer bloßen Eigenschaft (von bloßem Verweis?) zu einem Schluss, einem Urteil. Aus gegensätzlich oder widersprüchlich wird unvereinbar. Oder anders: Letztere (als) Eigenschaft wäre eine, die sich durchsetzt, oder sich am weitesten aufspannt. Es sind Nuancen, aber unvereinbar ist eigentlich ein Schluss, der sich in windeseile vollzieht, Und das aber nennt man Denken. Vereinfachungen, Reduktionen, Assimilationen. Anstatt dem Denken etwas zu Denken zu geben.

„Die Bibliothek ist eine Sphäre, deren eigentlicher Mittelpunkt jedes beliebige Sechseck und deren Umfang unzugänglich ist“

DSCI0517

„(Ich weiß von einer zerklüfteten Region, in der die Bibliothekare die abergläubische und eitle Angewohnheit, Sinn in Büchern zu suchen, verschmähen und mit Sinnsuche in Träumen oder in den chaotischen Linien der Hand vergleichen … )“

„Nichts. Gott der Herr schuf das Licht am ersten Tage, aber die Sonne, den Mond und die Sterne erst am vierten. Woher kam dann das Licht am ersten Tage?“ [Dostojewski, I/6]. Gute Frage. Aber manche Theologen plädierten immer dafür, die Bibel nicht wörtlich zu nehmen. Andere schon. Is ja die Frage, was tun in dieser Welt voller Beliebigkeit, wo vor allem heutzutage jeder und jede fast schon tun kann wie er oder sie will oder wohin es einen treibt, auch ohne zu wollen, man tut trotzdem und findet immer ein Plätzchen. Sollten wir neue Dreh- und Angelpunkte finden? Braucht es diese in dem Maße überhaupt? Sind wir Kleinkinder, die plärrend im Sandkasten sitzen, weil uns jemand unser Spielzeug wegnehmen könnte? An was glauben, wenn der Glaube nicht mehr als Identitätsmerkmal fungiert, oder als Haltepunkt, Bezugspunkt et cetera her hält? Glauben verschiebt sich. Alles befindet sich in Bewegung. Verschiedene Wissenschaften kämpfen um ihre Anerkennung, wie die Religionen in den verschiedenen Kriegen. Das ist keine Wissenschaft, dies ist eine Pseudowissenschaft, warum meinen manche, so eine Grenze ziehen zu müssen? Angst, das man ihnen was wegnimmt? Und ist so eine Aussage eine wissenschaftliche? Was ist Wissenschaft? Und wer maßt sich an, zu sagen, was es wert wäre, zu wissen? Die Beliebigkeit itself ist Haltepunkt, kann es sein? „Dem Gouverneur Schulz hat er [der Starez] klipp und klar gesagt:“Credo, aber ich weiß nicht woran“ [ebda].

 „Die Bibliothek ist unbegrenzt und zyklisch“

Schwimmen, statt Brücken aus Beton bauen.
Da steht ja einiges auf dem Spiel. Identität, die sich etabliert auch durch Religon, auch durch Arbeit und somit auch durch das, woran Arbeit geknüpft ist [und die Gewissheit, als allgemeines Hintergrundrauschen]. Manchmal Wissenschaft, Forschung und viele müssen sich sagen lassen, dass das, was sie tun, nonsense wäre. Ist das ein Kompliment in diesem Kontext? Die Wissenschaften. Stehen im Dienste des Lustprinzips, würde vielleicht Nietzsche kritisch anmerken. Manchmal entdecken oder schlussfolgern Zweige der Wissenschaften auch Unangenehmes. Beispielsweise, dass wir aufgrund unserer Kompetenzen, vor allem derer in der Reproduktionstätigkeit, die natürliche Auslese und somit unsere Evolution gestoppt hätten. Meint Sir David Attenborough. Streng darwinistisch gedacht – jo. Auf der anderen Seite haben andere Wissenschaften herausgefunden, dass unser Magen-Darm-Trakt über ein quasi eigenes Nervensystem verfügt, ähnlich komplex wie das im Gehirn, nur nicht ganz so weit ‚ausgereift‘.  …Was passiert da… . Der Magen wird rationalisiert? Die Liebe geht dann künftig nicht mehr durch den Magen, ..sondern?

„Wenn ein ewiger Wanderer sie in eine beliebige Richtung durchmäße, so würde er nach Jahrhunderten feststellen, daß dieselben Bände in derselben Unordnung wiederkehren (die, wiederholt, eine Ordnung wäre: Die Ordnung).“

 

die obigen Zitate stammen aus „Die Bibliothek von Babel“ aus den Fiktionen – Essays 1939-1944, von Jorge L. Borges
Die Dostojewski Zitate findet sich in „Die Brüder Karamasow„, Teil 1, Kapitel 6.
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