Blätterwaldrand

Aron Demetz - aufgenommen auf der Art Austria 2013

Aron Demetz

Die Kausalität nach Gesetzen der Natur ist nicht die einzige,
aus welcher die Erscheinungen in der Welt abgeleitet werden können.
Es ist noch eine
Kausalität durch Freiheit zu Erklärung derselben anzunehmen notwendig.

„Das Graffiti läuft von einem Haus zum nächsten, von der Wandeines WohnHauseszur näChsten, vOn der WanD über das Fenster oder die Tür oder über die Scheibe der U-Bahn […] – sein Graphismus ist wie die polymorphe Perversion von Kindern, die die Grenze der Geschlechter und die Begrenzung erogener Zonen ignorieren.“ Und was passiert? „Seltsamerweise machen übrigens die Graffiti die Wände und Flächen der Stadt oder die U-Bahnzüge […] wieder zu einem Körper, …“. Man könnte fragen, was Baudrillard unter Körper versteht und was unter Bewusstsein. Oder was jemand anderer darunter versteht. Spinoza würde das, was wir nicht vom Körper verstehen (können) betonen, unser Unwissen. Ohne das in Bezug auf etwas Bewusstes in einer Hierarchie zu denken. Bei Lacan wäre es vielleicht etwas Sprachliches (auch oder vor allem auch, Sprache im weitesten der möglichen Sinne zu denken, sozusagen). Was wir benennen, aber nicht ‚wissen‘ können. Deshalb vielleicht auch das Spiegelstadium als zentraler Prozess. Ein Bild wird benannt, die Eindrücke auch und manches nicht. Bild und Sprache. Ist das Bild eigentlich schon Sprache, oder was würde verworfen*, Sprache oder doch schon ‚das‘ Bild? Bei Baudrillard war der Körper urban, in der Stadt, überhaupt Stadt, oder Ort(e) und Gebäude, Oberflächen – Hautstädte.

„Was ist der Dritte Stand? – Alles.
Was ist er bisher gewesen? – Nichts.
Was hofft er zu sein? – Etwas.
Ein Raum der weder Macht noch Unterwerfung unter eine Macht ausdrückt“

Landschaften

Natürlichkeit und Künstlichkeit, oder ein „künstlicher Charakter dessen, was scheinbar ’natürlich da‘ ist: das Gewässer des zum Kraftwerk gehörenden Stausees, die Bäume des Forstes, die Weiden der Rinderzucht… […] ein organisiertes Ensemble“ (Clemènt). Und dagegen Wildwuchs und kreative Unordnung oder anders formuliert Nicht-Planung als vitales Prinzip (findet sich bei Clèment und Diaconu). Die Grasnarbe, eine Baumkrone, Vororte, verlassene Gelände, Fragmente, Stadtmembranen und eh.

Also: Was heißt Erscheinung bei Kant? Erscheinung erfolgt aus Empfindungen. Empfindungen sind die Wirkungen unserer Vorstellungskraft. Vorstellungen entwickeln sich durch die Sinnlichkeit (sinnliche Reize). Sinnlichkeit ist bei Kant eine Fähigkeit, somit kann man Sinnlichkeit als die Fähigkeit bezeichnen, durch die wir zu Vorstellungen kommen. Und zwar durch die Art, wie wir von Gegenständen affiziert werden. Die Gegenstände liefert die Anschauung. Also: Alles Denken bezieht sich schlussendlich – „vermittels gewisser Merkmale“ – zuletzt auf Anschauung -> weil nur so Gegenstände gegeben sein können, ‚für-mich‚ sein können.

 Am Anfang war das Gerücht

Jean Baudrillard: Kool Killer oder Aufstand der Zeichen, Merve Verlag Berlin, 1978

(Der Dreizeiler stammt aus) „Manifest der Dritten Landschaft, Gilles Clèment, Merve Verlag

 

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