Immanentes u. Transzendentes, oder weniger

Die Kausalität nach Gesetzen der Natur ist nicht die einzige,
aus welcher die Erscheinungen in der Welt abgeleitet werden können.
Es ist noch eine
Kausalität durch Freiheit zu Erklärung derselben anzunehmen notwendig.

Südtirol

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Simmel ist interessant. Ich bin mir nicht sicher, in wie weit er sich tatsächlich rein im Bereich von Normen, von Kultur(tätigkeit) bewegt, wenn er gleichzeitig von Wesenheiten und Sein spricht, beispielsweise: das die Geschlechtlichkeit für die Frau eher ein Sein sei und für den Mann eher ein Tun (sich-zum-Mittel-machen, wie es Simmel formuliert), da es ihr wesentlicher sei, Frau zu sein, als dies beim Mann der Fall ist”[Simmel, 330]. Also findet sich beim Mann als Merkmal das der Entselbstung, er schaffe das Objektive oder wirke in es hinein [vgl. ebd. 334]. Es findet sich hier eine Unterscheidung eigentlich nach zweierlei Weisen zu Sein, verschiedene, aber grundlegende Arten sich mit Welt in Beziehung zu setzen. Ist das Charakteristikum der Entselbstung tatsächlich eines der einen Weise, nur zu einem Teil oder Grundlegend? Der Mann, oder die Art der männlichen Weise zu Sein sei zu verstehen als eine Weise der Relation, ein Relationswesen und das wiederum ‘diene’ als (eine) Möglichkeit für die Frau (oder weibliche Weise zu sein) sich in Beziehung zu setzen mit Welt über diese Vermittlung (ein ‘männlich Seiendes’, das ja aufgrund des Sich-zum-Mittel-Machens ‘in’ der Welt ‘ist‘). Die Frage ist, ob die männliche Weise zu sein notwendigerweise eine Relationsmöglichkeit für die weibliche Weise zu sein darstellt – also dies die einzige Möglichkeit sei oder ob es viele, oder einige gibt. Simmel will zeigen, dass unsere Normen ‘männlich’ sind, also sich männlich-partikulare Normen und Werte als objektive und allgemeingültige durchsetz(t)en. Es stellt sich die Frage, warum sich die eine Weise durchsetzt, durchsetzen kann oder muss. Ein Wechselspiel, ein zähes? Entsprechen die meisten Menschen der männlichen Weise zu sein? oder eher der Weiblichen? oder ist es ausgewogen, und wovon hängt es ab – entlang von was etabliert es sich? Und hieraus resultieren in vielfacher Übersetzung Maßstäbe, Werte, Normen, greifbare Strukturen. Das zeige einerseits, wie umfangreich das eigentlich ist und wie schwer die Grenze zu ziehen wäre, zwischen Bereichen von Normen und Werten und die Sphären oder Prozesse, die die jeweilige Weise zu sein berühren. Vielleicht geschehen hier dutzende ‘Übersetzungen’, so dass selbst hier quasi die ‘ersten Worte’ für uns nicht mehr nachvollziehbar seien. Eben die  Momente der ‘Brücke’, “Phantasie – Realität”, “vom “Narzißmus zur Objektliebe”, “vom (Spiegel)Bild zur Sprache” sind die prägnanten und prekären.

Zwei Weisen

Modus: Art, Weise, Grenze, Melodie, Vorgangsweise, Gesetz [vlt nah dran und doch jenseits eines ‘modus vivendi’], …usw, 5. der Definitionen in Spinozas Ethik: Unter Modus verstehe ich eine Erregung (Affektion) der Substanz; oder etwas, das in einem andern ist, durch welches es auch begriffen werden kann.

Begriffe wie Immanenz und Transzendenz tauchen eigentlich auf und so der Begriff der Leere. Bei bspweise Kacem findet sich all das, er spricht von männlichen und weiblichen Ontologien und er unterscheidet eine Philosophie der Virilität von einer der Leere. Also erstere als eine, der Badiou oder Platon angehören könnten und zweitere als eine, in der sich Deleuze oder Aristoteles und Spinoza finden könnten [Kacem, 46f]. Ganze Denktraditionen. Muster, die Richtungen anweisen.

Also: Bei Kant bedeutet der Begriff der Freiheit, …viel und deshalb wo anders angesetzt, weil frei sein kann wenn dann wer – ein Mensch, da nur ein Mensch mit diesem Begriff sich so denken kann. Versuch: Ein Subjekt, also etwas, was Ich sagt. Ein wahrnehmendes Ich, das den ‘Sinnesreizen ausgesetzt’ ist, also quasi dem ‘Bewußtseinsstrom ausgesetzt’ ist und andererseits ein “transzendentales Ich der (reinen) Apperzeption. Das meint wiederum so viel wie hinzu-wahrnehmen. Es kommt etwas hinzu, was nicht in der sinnlichen Wahrnehmung ‘wohnt’ – und somit nicht aus ihr erklärt werden kann. Etwas, das sich auf die ‘Vorstellungen zurückbeugt, eine Bewegung, ein Vorgang, der die wahrgenommenen Reize “begleitet” und überhaupt bewußt werden lässt.  Kant geht es darum, dass all die wahrgenommenen Dinge und Reize in eine gewisse Einheit gebracht werden müssen, sonst könnten wir gar nicht von Sachen wie Wahrnehmung reden, etwas macht es, das wir in einem gewissen Raster uns situieren können. Das ist bei Kant die reine Apperzeption. Ein Vorgang, der die Vorstellung des ‘Ich denke’ hervorbringt – das wiederum begleitet alle Eindrücke (der Wahrnehmung, ein Vermögen, das sortiert, ordnet, erinnert und sich sagen kann, also ‘Ich’). Es ist jedenfalls ein “selbsttätiger Vorgang, ein Aktus der Spontanität”. Nach Kant muss das eine notwendige Bedingung sein “der Möglichkeit von Erfahrung einer gegenständlichen Welt überhaupt” .. “ein bloßes Bewußtsein, welches(auch) alle Begriffe begleitet, … das Vehikel aller Begriffe überhaupt”. Also etwas, das uns die Welt als gegenständliche erfahrbar macht und wir nicht nur via Sinnesreize mit ihr verflochten sind, etwas das Reihenfolgen schafft, ein Nacheinander oder Hintereinander. Das ‘Ich’ als Subjekt ist bei Kant ohne Dasein, es stellt wie gesagt, ‘nur’ die reine Bedingung der Möglichkeit von Erfahrung von einer gegenständlichen (also in dem Sinne, objektiven) Welt dar. Frei denken kann man sich, ich kann an Regen denken, wenn die Sonne scheint – das ist Freiheit. Oder so.

Kacem, Mehdi Belhaj: Proteptikos – Zur Lektüre von Sein und Sexuierung, Merve Verlag Berlin, 2012
Simmel, Georg: Das Relative und das Absolute im Geschlechter-Problem, in: Philosophische Geschlechtertheorien, Hg: Sabine Doyé, Marion Heinz, Friederike Kuster, Reclam Verlag Stuttgart, 2010

 

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