crinis perspicere oder so

„Denn es darf nicht vergessen werden, dass die Schlacht des Imaginären immer den Kampf um das Prestige impliziert“. Das Prestige, Image, also hübsch alles in den Rahmen gefasst, oder vielleicht noch hübscher, etwas Flitter und Glitter hier und da, schön sein, nein – mehr sein zu meinen.

Wildwuchs, haarig, buschig, Oberflächen erhalten etwas anderes als eine glatte Struktur, ist eine Glatze eine nicht-Frisur?

Hausfrisur

Ich komme vom Friseur, könnte Lacan gesagt haben, der alle zehn Tage bei selbigen war (schreibt Ladaki), zum frisieren, zur Aussprache? Er kam jedenfalls nicht vom Metzger. War er ein Metzger? Nein. Dafür hatte er wohl zu sehr Angst vor den Hysterikerinnen, schreibt zumindest wieder Ladaki. Waren es jene, die er aus seiner Lehre verwiesen hat? Mit dem Argument, „Frauen, die nicht gänzlich von der phallischen Funktion durchdrungen seien, könnten darüber auch nichts aussagen“. So kann er eigentlich auch nichts über weiblich-sexuierte Menschen sagen, und tat es dennoch.

„Die symbolische Kastration, d. h. der Ausschluss des mütterlichen Körpers als Lustobjekt und die mit dieser Verdrängung einsetzende Symbolbildung, ist daher bei der Frau unvollständig. Daraus resultiert eine konzentrische psychische Ökonomie, die nach Montrelay durch eine Überfülle im Realen und den Leerlauf der Repräsentationen gekennzeichnet ist“(siehe verlinkter Begriff weiter oben). Was können wir schon über das Erleben von Kindern, Säuglingen sagen? Nichts? Es ist unsere Perspektive, unser symbolischer Hintergrund entlang dessen wir das Erleben dieser symboliseren – es ist nicht deren Erleben. Also, wissen wir eigentlich nichts und reproduzieren vielleicht nur das aktuell vorherrschende Muster der symbolischen Ordnung fort. Die Theorien um das Subjekt-werden gehören entleert. Hier findet sich zu viel unserer Perspektive, die zu sehr durchsetzt ist von der Matrix, die unsere symbolische Realität bedeutet.

Aber v i e l l e i c h t sah er einen gewissen Sinn, im Durchschreiten der symbolischen Ordnung – die Betonung liegt hier auf dem Durch-Schreiten, vielleicht sind diese Schritte überhaupt nötig um Weiteres zu beschreiten, durchschreiten, durchqueren, flanieren? Etwas anderes als eine bloße Fassade, nicht nur eine symbolischen Realität. Die Ringe sind drei und es gibt nicht den einen ohne die anderen. Jedenfalls, kam er vom Frisör. Die Haare, der Überschuss des Körpers, „das Nachwachsen der Haare“. Am Kopf sichtbar und ansonsten, manchmal sichtbar, darum kümmern sich Haare nicht, sie wachsen einfach.

Seine Struktur
„Er brachte die Signifikanten ins Spiel, damit das Erhabene nicht aus dem Rahmen fiel“, Angst und Mangel, denn „dies ist unser Los, seitdem der Mensch spricht und sich in die symbolische Ordnung eingeschrieben hat“

Seine Signifkanten, Matheme und Idiogramme standen ihm stets parat und hatten unmittelbaren Einfluss auf seine Realität“..mehr noch: Sie stammen aus seiner Realität? „Darin ähnelte er womöglich einem Priester, der nur darauf bedacht ist, die religiösen Gebote einzuhalten und in den strengen Sitten der Kirche auszuharren“,
aber
„Die Gebote Lacans […] entsprangen allein vom Begriff des Begehrens“. Also weder von einer Gottheit oder sonst einem ewig unendlichen .. Ding.
Aber
Aus seiner Realität, aus seinem Bezug-zu-Welt. Aus dem Rahmen fallen? Eigene Rahmen (be)gründen? Damit andere dies nachbeten? Ver-kennung? Sein für-mich sein wird das so-sein vieler? Dabei postuliert er eigentlich kein so-sein? Ist es sinnvoll, Lacan nachzubeten und seine Theorien und Gedanken wie ein nettes Accesoire herumzutragen? Fordert er in seinen Seminaren eine Aus-ein-ander-Setzung mit sich?!

Das Schöne
Das sieht man dann, wenn man durch etwas durchgegangen ist. Durch etwas Grausames, Erschreckendes. Oder einfach etwas gewaltiges, im  weitesten Sinne. „Aber eines Tages verschafft sich der Gedanke doch den Durchbruch,…authentische, wirklich originelle Gedanken werden mit Qual geboren“ [Karol Sauerland zitiert Nietzsche, „Der Leib ist eine große Vernunft“ in: Autorität und Sinnlichkeit, 1986]. Die Wahrheit, die eigene.

Und sie schreibt, dass ihm zufolge alle klinischen Strukturen unheilbar wären, das Ziel einer analytischen Kur läge darin, den Analysanten dahin zu führen, seine Wahrheit zu formulieren/die Analysantin dahin zu führen, ihre Wahrheit zu formulieren. Die eigentliche Arbeit liegt vielleicht darin, dies in Einklang mit der Symbolischen Ordnung zu bringen, aber vielleicht geht das schlussendlich wie von selbst?

Die eigenen Wege kann mensch immer gehen, aber: ‚die‘ Gesellschaft und wie sie strukturiert ist, erträgt kein jeweils-jeweiliges so-sein. Man muss nur schief gehen und erregt Aufsehen. Sehen vor allem, und mit dem Internet, dem world-wide-boring, entsteht etwas, wo wir pötzlich alles Mögliche sehen können, privates wird ..nicht unbedingt Öffentlich, was auch immer so richtig Öffentlich heißen soll, in Vergleich zu so etwas wie Privat, …Privates wird zugänglich. That´s the sching.

 

„Ich will ganz leise, leise nach meiner Weise
Von dem Geheimnis den Schleier ziehn“

 

 

Die in „“ ausgewiesenen Stellen stammen, wenn nicht anders verlinkt, aus Lacan und sein Figaro von Fotini Ladaki, Passagen Verlag, Wien.

Frisur

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