gelöste Sein

Unter Substanz verstehe ich das, was in sich ist und aus sich begriffen wird; das heißt das, dessen Begriff nicht eines anderen Dinges bedarf, um daraus gebildet zu werden [Spinoza, Ethik, 3. Definition, „Von Gott“]

Solutus. (Ab)esse!

Was siehst Du, wenn Du siehst? Kann man sich aufs Sehen beschränken in dieser Diskussion? Oder gilt das auch für´s Hören, für´s Spüren? Oder doch eher vielleicht für das Sehen. Was. Wie. Was bildet sich in dir, welches Gefühl und welcher Gedanke? Eine fixe Vorstellung? Das Schaf, das blökt, aus Määäh wird Schaf, wie auch immer, es geht um Erinnerung und Erkenntnis. Vom Laut zum Begriff, aber darum geht es nicht unbedingt, hier. Es geht um Vieles, vielleicht die Vorstellung in Wahrnehmung, eine Momentane? Wo liegt die Schwelle von Gefühl zum Gedanken? Denken und Fühlen, zwei paar Stiefel, die manchmal in verschiedene Richtungen gehen. Die eine Richtung sagt so und die andere Richtung spricht so und stolpert hinterher, oder das Denken stolpert hinterher? Ist eine Vorstellung ein inneres Bild zum Äußeren? Das Äußere fixiert, trügerisch. Eine Vorstellung zum Gegebenen? Wenn Sichtbares begrifflich erfasst und benannt, gedeutet wird, was sich unmerklich und besonders rasch vollzieht, könnte man sagen: Sehen ist so eng mit dem  verknüpft, dass man beim Akt des Sehens mehr von Verstandestätigkeit als von sinnlicher Tätigkeit sprechen müsste. Sehen prägt Denken, macht Raster, die begreifen lassen. Vielleicht ist daher das Sichtbare so eine heikle Sache, bei der es so schnell zu Trugschlüssen kommt. Bildfalle. Phallus. Gott. Bilderflut, Bilderstreit, Bilderverbot. Begriffe, die die Grenzen der Vernunft, des Erkennens und Verstehens markieren? Das Haus, das es nicht gibt, ladida.

okular, Elena Helfrecht

Sehen Denken Glauben ~ Sein

Zeichen oder Symbol. Leer, nicht-leer? Eine Einheit? Unbestimmbar? Oder doch auch Einzelding? Repräsentiert in Gegebenem? Wesen und Erscheinung? Geht es um Gott oder um den Phallus, φ? Vom Bild zum Signifikanten. In der Sprache, in der Realität gelten Regeln. Ganz platt: u.a. Der Satz vom Widerspruch. Das Unbewusste kenne keine Regeln. Für Gott, in manchen Argumentationen, gelte dieser Widerspruch ebenfalls nicht. Genauer, die göttliche Allmacht ist daran nicht gebunden. Es resultiert eine Art Eigenschaftslosigkeit (Akzidenz, Eigenschaft und dabei denke man an den Begriff Relation als „auf etwas hin“ [vgl. hierfür Alkuins Definition von Relation, erläutert u.a. bei Flasch 1994]. Substanz. Der Phallus macht die Regeln? Macht Gott die Regeln? Ist der Phallus eine Markierung in der Sprache und somit auch Dreh-und Angelpunkt? Er findet einen Repräsentanten im Penis. Wenn man sagt, der Begriff kann eine Repräsentation auch in der Klitoris finden, stößt man meist auf Ablehnung. Gar Widerstand. Es wird einem manchmal entgegnet, dass der Penis als Repräsentant sich auszeichne, aufgrund seiner Beschaffenheit, also das An- und Abschwellen. Tut das eine Klitoris nicht auch? Eine Vulva als solche, tut sie es nicht auch? Nur nicht ganz so ‚pene-trant‘ im Sichtbaren? Auch hier geht die Diskussion manchmal dem Ende zu, der Widerstand ist stärker. Sichtbares siegt. Also ein Abonnement der Bild-Zeitung, um dann zu sagen: Ja, dies ist es. Spätestens bei solchen Anmerkungen sind Diskussionen am Ende. Oder eher die Diskutanten? Der Phallus also als Begriff und Dreh- und Angelpunkt, Symbol und für manche doch mehr ein definitives (An)Zeichen. Ist der Phallus nach Spinoza Substanz? War Lacan von Spinoza inspiriert? Dann bedarf es der Substanz keines anderen Dinges, um definiert zu werden.

Aetas

Ein paar Schritte zurück, um vorwärts zu gehen: Ich war nie religiös. Interessant ist die theologisch-philosophische Thematik aber dennoch. Gehen wir also einfach mal los: Gott als ein Wesen, über das nichts vollkommeneres gedacht werden kann. Ich bitte nun zu Tisch, und zwar zum Abendmahl. Dies ist mein Leib. Nehme ich dies als Symbol oder realistisch, darüber wurde früher viel gestritten. Vielleicht heute noch. Dies verweist auf etwas. Auf einen Leib. Brot oder Jesus? Ganz pragmatisch mit Berengar von Tours gesprochen: Dies verweist auf „das Brot“ in diesem Satz und nicht auf den Leib Christi. Das Brot ist das Satzsubjekt. Christi ist hier real, aber nicht physisch real. Genaugenommen mit Lacan: Also symbolisch. Und aber auch real. Hier zeigt sich, dass die göttliche Allmacht nicht an unser Verständnis von Sprache gebunden ist. Reale Anwesenheit? Was argumentativ dazu führen kann, zu sagen, dass im Glauben die Vernunft am Werk ist. Die Vorstellung Gottes ist sozusagen notwendig. Ist der Phallus eine notwendige Bedingung bei Lacan? Notwendige Vorstellung, als leerer Dreh- und Angelpunkt, irgendetwas, um das herum sich Welt konstituiert? Die Verknüpfung zum Sichtbaren wird fallen-gelassen. Gelöste Sein, oder schwebende Sein [ein Verweis, auf einen anderen Blog, mit vielen interessanten und lesenswerten Beiträgen].

S. Dali, Das Auge, 1945

S. Dali, Das Auge, 1945

So kommt man zu Anselm von Canterbury. Er stellt eine Diskussion dar zwischen einem Theisten und einem Atheisten. Den Atheisten bezeichnet er als Narr. Anselm geht es um eine gemeinsame Begriffsbestimmung. Gottesbeweis, Gottesgewissheit. Der Begriff Phallus, die Vorstellung davon als notwendig, um Gewissheit haben zu können? Lacan und Gewissheit oder die Interpretationen, die Gewissheit suchen. Gott als ein Wesen gedacht, über das hinaus nichts Vollkommeneres gedacht werden kann. Ein Atheist, würde, wenn er eine gemeinsame Definition suche, folgendes sagen: Es existiert kein Wesen, über das hinaus vollkommeneres nicht gedacht werden kann. [wird da aus einem Satzobjekt ein Prädikat?]. Anselm kommt es allein darauf an, dass überhaupt, egal wie man definiert, ein solches Wesen überhaupt gedacht wird, werden kann? Sobald dieses gedacht wird, ist es faktisch-existent. Der Atheist denkt es also als faktisch-nicht existierend. Aber er, sie denkt es. Anselm geht es hier nicht um empirische Beweisbarkeit. Die Vernunft, der Fakt, dass es gedacht wird, ist ein Hinweis darauf, das die Überzeugung von diesem höchsten Wesen von innen kommen soll [könnte man nun an Konfuzius und seinen Begriff Li denken, nur das es hier kein Sollen in dem Sinne gibt]. Gaulino kritisierte Anselm, da dieser sich nur in der Sprache bewegt und weißt auf den Unterschied hin zwischen cogitare und intelelligere, also Denken und geistig erkennen. Wenn, so wie Anselm es in seinen Prämissen scheinbar postulierte, Gott eine vernunft-notwendige Annahme ist, dann widerspricht er sich selbst in seinem Gottesbeweis, da er als Wesen mit der Eigenschaft X (vollkommenstes) erst gar nicht gedacht werden müsse [?]. Andererseits, fallen Prädikate wie zufällig oder nicht weg, wenn es notwendig ist. Wie auch immer. Die Bewegungen sind ähnliche. Ist der Begriff Phallus notwendig, und wenn ja, für was? Gibt es Prädikate? Ja, in den Erscheinungsweisen? Ist es dann noch leer? Gottschalk postulierte Gott als absolut einfach und widersprach damit sämtlichen Vorstellungen von Prädestinationen. Bei Gott gibt es kein Vorher, somit auch keine Vorherbestimmungen.  Himmel oder Hölle waren bei Gottschalk irrelevant, die „Reue des Sünders“, das sei die Hölle. Ist die Bestimmung des Phallus ähnlich radikal bei Lacan? Wenn dieser Begriff als das gilt,..was für alle gelten soll? Als Grenze der Sprache vielleicht, bei Lacan aber gefasst als Markierung des Seins, einzige Wegmarkierung für das Sein? Überhöhte Kastrationsangst oder ist der Phallus bei Lacan doch ein leerer Begriff, der allen zukommt? Und nur diejenigen, die sich als Kastratoren aufspielen, denken und fixieren diesen Begriff mit ihrem vermeintlichen Mann-Sein? Oder auch als Pendant zu einem Frau-Sein. Oder überhaupt Sein? Hochstapelei und Maskerade. Wer und Was bin ich, führt auf einen Weg des sich Selbst-schließens, räumlich gedacht und auch zeitlich, vermeintliche Einheit, welche einen Willen überhaupt freilegen kann. Jenseits einer vermeintlichen Opposition von Männchen und Weibchen, die Opposition wird zum immer schon Seienden, ohne Bestimmung, somit die Kündigung des Abonnements der Bild-Zeitung. So kommt man zur Wahrheit?!

Das Proslogion von Anselm, also das Inhaltsverzeichnis, ließt sich wie eine Subjektwerdung: Gott ist, wie wir glauben, dass er istGott ist, was wir glauben, dass er ist; Man wird, man sieht, man konstituiert sich in einem wie und was inmitten und gegenüber einer Ewigkeit und Unbegrenztheit; die Zeit die nicht endet, aber für das Einzelne endet; Entdeckung des unerreichbaren Lichts; die Grenzen unserer Wahrnehmung und unseres Verstehens, Gottes Über-Unbegreiflichkeit; Anerkennung des unerreichbaren Lichts; Subjekt-Sein. Inmitten von Ewigkeit und Unendlichkeit.

 

Mir sei es verziehen, das ich keine Seiten im Einzelnen angebe, aber es lohnt sich allemal Kurt Flasch zu lesen. Und ich beziehe mich hier auf die Seiten 1-61. Besonders schön das erste Kapitel „Zitat und Einsetzung„, Nachahmung ist nicht mehr bloße Nachahmung, Flasch bezieht sich auf den damaligen (west-europäischen) Eifer, Byzanz zu kopieren und zwar entlang der Gebäude, die entworfen und gebaut wurden. Dieser Eifer ergebe nicht nur bloße Kopie: Er nennt den Kaiserbau von Aachen, diese Kirche sei ein Zitat, denn der Kaiserbau von Ravenna wird in eine nördliche Umwelt versetzt. Also zitiert, ein neuer Kontext etabliert sich.   

Kurt Flasch: Einführung in die Philosophie des Mittelalters, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 1994

Lacan ist gewissermaßen auch anwesend, genaugenommen an drei Stellen [ein kleines Such-Spiel, ohne Gewinn, dafür Gewissheit], ohne genannt oder zitiert zu werden, was bei Lacan fast schon und teilweise nicht mehr nötig ist. Man erkennt ihn, wenn man ihn gelesen hat. Und dennoch interpretiert in jedeR anders. Lacans Lehre nicht als solche, sondern als Leere, also als Symbol, zitiert und eingesetzt. Wie eine Kirche? Zumindest in diesem Kontext.
Tagged , , . Bookmark the permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.