backe backe .. Kuchen oder

Davon kann man mal ausgehen:

  • 250 g weiche Margarine oder Butter
  • 150 g Zucker
  • 1 Pck. Vanille Zucker
  • 1 Pr. Salz
  • 4 Eier (Größe M, falls man genau ist)
  • 300 g Weizenmehl (gemischt mit Dinkelmehl)
  • 4 gestr. TL Backpulver

Simpel. Praktisch, funktioniert immer..oder meistens, backen ist Glücksache. Einzeldinge zusammen ergeben ein neues Einzelding. Die Einzeldinge reagieren auf unterschiedliche Weisen miteinander, weshalb in der Vermischung dieser keine Willkür vorherrschen sollte. Später kann man hinzufügen, was man will. Ne, zuviel Flüssiges macht die Sache gatschig, habe ich bereits empirisch feststellen können.

“Sinnesdaten sind keine isolierten Einzelwahrnehmungen, vielmehr handelt es sich bei ihnen um differentielle und nicht wahrnehmbare Erfahrungsmomente, die sich in transzendentalen Synthesen organisieren. So entstehen bemerkenswerte Vielheiten, die nur einheitlich apprehendiert die Schwelle des Bewußtseins überschreiten” [Rölli, 21]. Apprehension meint einfach die Erschließung von sinnlichen Eindrücken, alles was wir hören, fühlen, sehen, von Innen wie von Außen stammend und deren Bewusstwerdung. Das vollzieht sich vor allem auch automatisiert und es überschreitet gleichzeitig das uns Bewusste. Und das macht es so interessant. Erlebnisse, Erfahrungen. Bei Deleuze formiert sich hier der “transzendentale Empirismus”, die Konstruktion der Singularität (falls man das so sagen kann) von Ich denke zu Ich bin wird somit durchschnitten, die Selbstgewissheit des Bewusstseins wird unterbrochen. Das Denken wird bei Deleuze auf eine Immanenzebene hinaus erstreckt und diese grenzenlose Immanenz wird nicht in einem Bewusstsein oder einer Subjektivität eingeschlossen [PH, 53-57].
Die klassischen Schritte von       der Erfahrung zum Begriff           von Einem zum Vielen          vom Teil zum Ganzen lösen sich auf. Transversalität, Rhizom, Maschinengefüge, Diagramm, Schichten. Diese Begriffe – bei Deleuze und Guattari – stürzen die Ordnungen der Repräsentationen und Hierarchien des Einen oder Ersten. Resultatslogik des Wissens, Begründungsprinzipien, Modell der Erkenntnis, Ideal des Gemeinsinns wären Stichworte, die (nicht nur) die Philosophie konzipieren “als wiederholbare Antwort und Lösung, die sich schließlich im Kreis des Gewußten erschöpft” [Balke, Vogel, 10]. Begriffe in ihrer Bewegung belassen. Ein Beispiel, ohne es ausführen zu können: Reden über Sadismus und Masochismus, versucht werden diese Begriffe zu fassen als Definition. Das tilgt die Bewegung, die Prozesse, die diese Begriffe beinhalten.

Das Leben, als Milieu des Irrtums, das Leben hat “mit dem Menschen zu einem Wesen geführt […], das sich nie ganz an seinem Platz befindet und dessen Bestimmung es ist, zu »irren« und sich zu täuschen”. Hier zitiert Agamben Foucault im Kapitel “Die Absolute Immanenz”, in dem er den Text “Immanenz: ein Leben …” von Deleuze bespricht. Der Doppelpunkt wird beschrieben als Öffnung auf ein Anderes, “das vollkommen immanent bleibt”. Auch spannend, Satzzeichen Punkt

Die Differenz, sie nicht vom Identischen her zu denken, darüber denkt mal nach.

Differenz an sich selbst | différence en elle-même, unterscheidet sich von einer nur begrifflichen, vermittelnden oder äußeren Differenz. Abhängen tut dieser Begriff sehr in Bezug auf Identität. Man definiert sich und sonst so aufgrund dessen, was unterscheidet von etwas/jemand anderem und hier tut sich ein Bezug auf zu Heidegger, das Sein als Differenz zu denken, wider der Differenzvergessenheit [vgl. Rölli, 26f]. Oft wird geredet über die Unterschiede, diese sind aber nur Repräsentationen, etwas, was wir als different fassen (ableitend von Identischem). Das Sein als Differenz denken, in Hinblick auf “die zeitlich bestimmten Ereignisstrukturen, die sich von selbst ergeben, da sie ihren repräsentationslogischen Begründungsversuchen vorausliegen [Rölli, 27]. Die Begründungsversuche, ist unser Part. Muss nicht, aber kann.

“Der Sinn von Sein besteht primär darin, das er aus einer Vielfalt von Sinnen besteht” [Rölli zitiert an dieser Stelle Aubenque, S. 184]. Eine Anmerkung: Deleuze stellt vielleicht einen der strengsten Philosophen dar, die ich bis Dato gelesen habe. Die Begriffe sind klar auf den Punkt gebracht – ein Punkt der keiner ist – Begriffe werden vielmehr in ihrer Bewegung erfasst und gedacht. Deleuze packt das Jenseits ohne es zu assimilieren, es in Bewegung zu belassend, ausgehend vom Diesseits, oder dieses mit eben dem Jenseits? Das ist nun eine Umschreibung, versucht in Begriffe zu fassen, Jenseits und Diesseits bilden vielleicht nur schwache Dichotomien, die verschleiern, einen Schleier bilden. Oder eine Stütze, bestenfalls ein Sprungbrett. Para-Doxie: “Der Prüfstein für eine erstrangige Intelligenz ist die Fähigkeit, zwei entgegengesetzte Ideen zugleich im Kopf zu haben und doch weiter in Funktion zu bleiben” [Fitzgerald, 9, oder Logik des Sinns, 193f oder Balke/Vogel, 12]

Die Differenz, von der Wiederholung her zu denken, darüber denkt mal nach.

Fluchtlinien

Dem Denken seine Geschwindigkeit wiedergeben. Insitiutionelle Philosophie reduziert die Fluchtlinien auf Fluchtpunkte [Stichwort Geophilosophie, PH 5] und versuche Fluchtlinien einzudämmen, die sie am liebsten rekonstruiere [vgl. Rölli, 23]. Die institutionalisierte Philosophie. Wie oft schrieb ich Seminararbeiten, ohne zu Denken im Sinne einer Aus-einander-Setzung, sondern nur entlang eines vorgegebenen Rahmens zu agieren. Vorgaben. Man könnte sich fragen “warum schreiben Sie die Arbeit nicht gleich selbst?”. Es gibt solche, vor vorher besprechen möchten, was zitiert wird, dabei festlegen, das mindestens soundsoviel der vorgegebenen Literatur zitiert werden muss und die Überschrift der Arbeit muss vorher auch schon feststehen und abgesegnet werden. Manche nennen das Didaktik. Wie oft lernte ich Folien auswendig, weil Lehrkräfte gerne lesen, was sie selber sagten? Wiedererkennen, Identität und außerdem ist so das korrigieren vielleicht auch einfach      bequemer. Einerseits ist eine Art angeeignetes Wissen eine solide Basis, aber es sollte mehr als das sein. Ausgangspunkt, Spiel- und/oder Werkzeug, weitergehen, überhaupt in Bewegung bleiben, weil Bewegung dem Denken inhärent ist. Im Grunde ist Denken vielleicht in einer Weise zielgerichtet strukturiert, Befriedigung ist das aaaa und oooo. Schlüsse ziehen, Urteile setzen, errrrkenneeeen. Zum Punkt kommen und hinsetzen. Ich ertappe mich selbst laufend, aber wenigstens ertappe ich mich. Viel zu selten ertappen mich andere. Manchmal schon.

Was soll man zu Deleuze schreiben, außer das es ein sehr spannendes Unterfangen ist, Deleuze zu lesen. Stellenweise knochentrocken und dennoch inhaltlich so dicht, das man die Hände nicht vor Augen sieht. Fenster und Türen öffnen sich, aber aufstehen muss man nicht. Was nicht heißt, man wäre nicht in Bewegung.

Und der Kuchen, der is fertig.

the Klezmorim “Shepards Dream” ..vermutlich

Giorgio Agamben, 1998: Bartleby oder die Kontingenz gefolgt von Die absolute Immanenz, Merve Verlag
Marc Rölli, 2012: Gilles Deleuze: Philosophie des transzendentalen Empirismus, Turia+Kant
Balke & Vogel, 1996: Einleitung: Fluchtlinien der Philosophie in: Gilles Deleuze – Fluchtlinien der Philosophie, Hg: Friedrich Balke&Joseph Vogel, Fink Verlag
Gilles Deleuze und Félix Guattari, 1996: Was ist Philosophie, Suhrkamp Verlag (sehr empfehlenswert, hier und üblicherweise angegeben mit PH..)
weiters sehr empfehlenswert:
Gilles Deleuze: Spinoza – praktische Philosophie, Merve Verlag
Deleuze, Gilles: Spinoza und das Problem des Ausdrucks in der Philosophie, Wilhelm Fink Verlag: München 

Gilles Deleuze: Kants kritische Philosophie: Die Lehre der Vermögen, Merve Verlag

Jonty Hurwitz "rejuvenation"

Jonty Hurwitz “rejuvenation”

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