Film und Espresso

Kurzfilme die sich um Langeweile drehen. “Strategien gegen Fadesse”, sich im Kreis drehen in Wiener Neustadt, sich den Atem nehmen lassen, Zerstreuung im Krankenhaus, oder in eine andere Welt fallen.

Die Diskussion danach gestaltete sich etwas zäh, mir wurde fad. Das erste Gespräch kam nicht in Gang, da der Regisseur sich mit seinem Film scheinbar thematisch falsch zugeordnet empfand und erklärte, dass sein Film nicht langweilig sei. Die Gesprächspartnerin nochmals versuchte auf die Stimmung einer Fadesse zu kommen und Verknüpfungen zum Film herzustellen. Erfolglos. Im Film dreht es sich um/im Kreisverkehr. In Wiener Neustadt. Man fragt sich: Gibt´s da wirklich so viele Kreisel? Andererseits sind alle anders gestaltet und in diesen Kreiseln finden sich kleine Inseln an Kunstwerken. Das die rein sich wiederholenden Bewegungen im Film (kreis -kreis – kreis) etwas zähes bergen könnten, dass es ein Ambiente vermittelt eines öden Nachmittags, der nicht enden will, ein Link zur Langeweile also – nein, der Film ist nicht langweilig. Ok.

Dann die Jugendlichen. Die von heute. Man findet sie auf youTube, wie sich sie sich die Luft nehmen lassen, an Wände gedrückt, oder im Schwitzkasten, um dann zusammenzuklappen. Eine Art Rausch? Ein Kick? Damals gabs das auch schon. In der Schule am Gang sogar. Ich hab das natürlich nicht gemacht. Die Regisseurin, ihr geht es vor allem um den Körper “als letzte Bastion” könnte man sagen, der der Kontrolle entgehe. Rauchen hier nicht, dort ja, Essen, bitte nur das und am besten so und so viel, vor allem aber Bio, oder fair trade, auch wenn beide ‘Gütesiegel’ oft nur so tun als ob und essen sie weniger Fleisch, nein doch mehr Fleisch, iss´ wos gscheits, weil ich will so bleiben wie ich bin, darf ich?

Was darf ein Körper noch nicht. Wer kontrolliert wie? In Deutschland beispielsweise, in NRW, da geht mensch FKK baden, da sind Schilder, wo steht: Badekleidung verboten, Bedecken erwünscht. Was wünschen Sie? Bedecken? Glotzen Sie doch einfach nicht dauernd ‘da’ hin?! Da unterstellt man ja fast schon Voyeurismus, was wiederum angesichts der Situation absurd ist, oder nicht? Was zieht denn die Blicke derart magisch (magnetisch?) zwischen die Beine der anderen? Woher diese Focussierung? Ist das nicht eher langweilig, irgendwann? Ja Menschen sehen so und so aus, Männer eher so, Frauen eher so und dann manche halt so. Kann man sich da nicht einfach mal entspannen und die Augen schließen? Warum nun also, nackt-sein-müssen und bedeckt-sein-sollen in Frei-Körper-Kultur-Bereichen, was an uns erzeugt diese Regel? Nackt sein, nur zu Hause, am besten unter der Decke? Und wie darf ein Körper aussehen? Schlank, muskulös, drahtig, sehnig? Rund? Hell, dunkel, haarig? Eindeutig? Faltig, glatt, weich, rau, gefleckt? Ist das Ich, dieser Körper, oder ist das ich und mein Körper, ich und mich? Schon eins, aber nicht so selbstverständlich. Langsamer. mIch?

Ich schweife ab.

Gestern, beim Filmfestl, da war einer, dieser Film, das war,… da gingen mir die Augen über und ich hatte das Gefühl in einer Art Wunderland gelandet zu sein. Sagenhaft kreativ. Zusammengesetzte Teile, Wesen aus allem und nichts, bunt, glatt, weiss, stahl, schnell, kreisend, vorsichtig, forsch. Wenn ich künftig in einem Baumarkt einkaufen gehe, werd´ ich Ausschau halten, nach ihnen.

baumaxx inspired by bauhaus, Roland Rauschmeier, A 2011, 8 min, kein Dialog

Andere waren auch gut. Lohnt sich auf Kurzfilmfestchen zu gehn. Vor allem: Wenn einer langweilig ist, macht das nix, weil´s nie lang dauert, bis er aus ist.

Tagged , . Bookmark the permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.