hinÜbertragen

Luc Bersauter, www.bersauter.com

Luc Bersauter, www.bersauter.com

 

“Gehen ist reguliertes Fallen” , die Aufhebung des Gleichgewichts als Prinzip der menschlichen Bewegung und “Denken ist regulierter Irrtum”, die Aufhebung des logischen Gleichgewichts – der Widerspruch – als Prinzip der menschlichen Denkbewegung [Vaihinger, 217].

Und die Sprache, die Worte sind mitunter die gröbste Stolperfalle. Der Standard sammelte diverse lustige Begebenheiten aus Strassenbahn, Ubahn und Bus und sie sind derart amüsant, das sie hier auch Platz finden:

Durchsage U6: “Allgemeines Krankenhaus” Kind:” Mama, warum ist das Krankenhaus gemein…?!”

Durchsage im 43er alser strasse: “ob der Fahrgast richtig steht, sieht man wenn die tuer zu geht.”

Ich sitze im 1er, die Oper wird angesagt. Ein etwa zweijähriges Kind ganz entzückt zu seiner Mutter*: ,,Jaaaa wir gehen zu Opa!”

Station Frauengasse, Kind zur Mutter:”Mama, wieso sagt sie die Frauengasse an. Muß sie nicht Kindergasse sagen, wenn doch da der Kindergarten ist?”

Wir sitzen im 1er, es kommt die obligatorische Durchsage “nächste Haltestelle ..” und ein Kind sagt zu seiner Mutter “Mama, das Dach hat gesagt, wir müssen aussteigen”

Eine U-Bahn, Wien (Geschichte von einer Freundin gehört). Ein dicker Mann gibt einen saftigen Rülpser von sich. Alle blicken schockiert. Er sieht sich um und fragt frech in die Runde: “Is wer verletzt?”

 

Witzig besonders die Kinder, die die umherfliegenden Worte aufnehmen und zuweisen. Oder die umherfliegenden Worte, die sich ihren Landeplatz suchen. Und wir ‘Erwachsenen’ glauben tatsächlich, wir wären darüber gänzlich hinaus. Gewissermaßen schon, es wird komplexer, die Landebahn wird größer oder entwickelt mehrere Spuren. Aber sind wir so anders? Lassen wir all den Spuren Platz? Vielleicht ein Mißverständnis. Man ist manchmal so blöd. So ein sagenhafter Trottel. Man denkt, in dem man trottelt und man kann hier und da gar nicht anders. In dem Tumult, der Sprache genannt wird, muss Mensch eine (?) Ordnung für sich schaffen. Ein Netz, durch das immer Vieles durchrieselt, sonst kämen wir nie zum Punkt, sondern würden von Komma zu Komma gehen, gestoßen werden, latschen, flanieren. Aber: Wie engmaschig ist unser Netz, sind wir. Erzeugt die ‘Denkmaschine’ gewissermaßen Bewegungsmangel?

Sie, ‘die’ psychoanalytische Theorie und ihre Praxis, will sie zu viel verstehen? Gräbt tief, zu tiefe Graben, formt Begriffe und mißachtet dabei deren Komponenten? Begriffe, immer absolut und relativ zugleich, fragmentarisch und ein Ganzes. Die Komponenten und deren Bewegungen, ihre Anhäufung, ihr Zusammentreten, ihr Werden. All diese Spannungen machen ein Ganzes. Begriffe.

Mißverständnisse. Die Idee der Sexuierung bei Lacan. Er selbst geht seiner Idee nicht konsequent nach? Spricht er laufend, stolpernd, von den Frauen und den Männern. Aber .. sind die meisten Menschen männlich sexuiert? Oder wirft er gerade dies auf? Wir Menschen. Oder anders. Was ist dieses φ, auf das sie sich beziehen könne? Ist es nicht (auch oder vielmehr) eine Art ? Lacan formulierte einen Begriff, oder einige, die auf ein Problem hinweisen. (S)Ein Begriff: Das Eine und die Emanation. Der Signifikant ist vielleicht eine Art letzter Platzhalter. Etwas gerät in Bewegung. Zwischen den Bewegungen herrscht Leere. Nur daher gibt es Bewegung. Die Kluft weitet sich aus. Menschlichkeit.

Etwas Anderes und doch auch nicht so sehr anderes: Oftmals schadet es nicht, auf dem Kopf zu gehen, hier tut sich das, Eleonore Pourriat: Majorité Opprimée. Spannend. Sehr spannend. Gewohnheiten. Mal anders.

Anbei und abschließend noch ein Beitrag, oder ein Auszug, den ich auf Facebook fand:

“Zur Charakterisierung der sexuellen Alltagstheorie greift Freud auf den Mythos des Aristophanes aus Platons „Gastmahl“ zurück, und er schreibt: „Der populären Theorie des Geschlechtstriebs entspricht am schönsten die poetische Fabel von der Teilung der Menschen in zwei Hälften – Mann und Weib –, die sich in der Liebe wieder zu vereinigen streben“ (S. 48). Freud rekurriert an dieser Stelle freilich nur auf den gleichsam heterosexuellen Teil dieses Mythos und nicht auf die in diesem gleichfalls thematisierte weibliche und männliche Homosexualität. Denn ursprünglich, so belehrt Aristophanes seine Zuhörer, habe es drei Geschlechter gegeben: das „Mannweib“, das zugleich männlich und weiblich war, das „ganze Weib“ und den „ganzen Mann“. Geteilt, durchschnitten wurde jedes dieser ursprünglichen Geschlechter mit durchaus unterschiedlichen Folgen im Hinblick auf das Sexualobjekt: „Alle Männer“, so heißt es bei Plato, „welche aus jenem Ganzen geschnitten sind, das früher Mannweib hieß, lieben heute das Weib – und aus demselben Ganzen sind natürlich auch die Weiber geschnitten, die da den Mann lieben. Die Weiber dann, die aus dem alten Geschlechte des ganzen Weibes geschnitten sind, haben wenig Sinn für den Mann und fühlen sich mehr zum eigenen Geschlechte hingezogen: die lesbischen Frauen kommen von daher. Und endlich die Männer, die aus dem alten männlichen Geschlechte geschnitten sind, laufen dem Manne nach“ (Platon – Gastmahl. Aus dem Vorwort von Martin Dannecker zu den “Drei Abhandlungen der Sexualtheorie”)

 

 

Hans Vaihinger, 1922: Die Philosophie des Als-Ob, Felix Meiner Verlag, Leipzig, hier zu finden, ein Buch über das Denken, Spannungszustände zwischen Dogma und Hypothese, Scheinbegriffe, Wirklichkeit(sbeziehungen), Fiktionen und/oder Fixierungen und gewissermaßen deren (temporäre?) Notwendigkeit, und nimmt man die Notwendigkeit zu notwendig, zeigt sich ein sagenhafter Trottel.

Und eine Empfehlung, da dieses Buch (genauer: das Kapitel “Was ist ein Begriff?”) die Gedanken hier begleitet – Philosophie auf höchstem Niveau, könnte man sagen: “Was ist Philosophie?” von Gilles Deleuze und Félix Guattari, Suhrkamp Verlag

Ebenfalls interessant und passend ist das Buch: “Physik und Philosophie” von Werner Heisenberg, Hirzel Verlag; genauer: die Kapitel “Die Quantentheorie und ihre Anfänge in der Atomlehre” und “Sprache und Wirklichkeit in der modernen Physik”

 
Tagged , , . Bookmark the permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.