lö Piktschör und de Beryllo

„Bilder sind bedeutende Flächen. Sie deuten – zumeist – auf etwas in der Raumzeit „dort draußen“, das sie uns als Abstraktionen (als Verkürzungen der vier Raumzeit-Dimensionen auf die zwei der Fläche) vorstellbar machen sollen. Diese spezifische Fähigkeit, Flächen aus der Raumzeit zu abstrahieren und wieder in die Raumzeit zurückzuprojizieren, soll „Imagination“ genannt werden. Sie ist die Voraussetzung für die Herstellung und Entzifferung von Bildern. Anders gesagt: die Fähigkeit, Phänomene in zweidimensionale Symbole zu verschlüsseln und diese Symbole zu lesen“

Danke erst mal an Jul, für den Hinweis zu Vilém Flusser. Ein Medienphilosoph (oder so), der übers Bild redet, ohne wie ein Perspecteur zu sein, einer der im Bild ist und im Bild spricht, übers Bild. Und Bild ist ein weiter Begriff, den ich eigentlich noch weiter fasse, als es Flusser täte? Text als Bild, Text ist schon Bild. Was Sie alle da lesen, die Wörter im gesamten geben ein Bild. Sie sind schon im Bilde. Kürzliche Überlegungen im Schriftverkehr, genauer im Email-Verkehr. Wie könnte man betonen, das es eine Freudnschaft ist, nicht mehr und nicht weniger, eine Freudnschaft! Wie soll man das nur sagen? Vielleicht so, f r e u n d s c h a f t … oder so FREUNDSCHAFT. Je nach Sachlage, sozusagen. Text ist Bild, weil ohne Bild keine Sprache. Mach die Augen auf und du siehst Bild. Und wie spricht man? Wie klingt es?

Während sich manche am Symbolgehalt der Zeichen und Begriffe abrackern – die ja eigentlich aus Bildhaftem entspringen, aber genau das wird gern und oft verschoben und abgegrenzt – vergessen oder verdrängen sie , eben – das Bild. Bilder sind mehr als Symbol – Bilder sind Symbolkomplexe, sacht Flusser, „Sie bieten Raum für Interpretationen […] Der magische Charakter der Bilder muß bei ihrer Entzifferung berücksichtigt werden. So ist es falsch, in Bildern „gefrorene Ereignisse“ sehen zu wollen. Vielmehr ersetzen sie Ereignisse durch Sachverhalte und übersetzen sie in Szenen“.

Genau das geht verloren, der magische Charakter, diese Welt versteinert in so vielen Theorien, und interessanterweise tut sich hier, irgendwie, eine Sprungmarke auf zu Guattari[1]. Wo manche über Wechselwirkung daherlabern und im Grunde in einer Seifenblase voller heißer Luft verbleiben (kann es in einer Seifenblaße heiße Luft geben?) da geht Flusser spazieren. Zumindest in diesem Text[2]. Merleau-Ponty geht natürlich auch spazieren und er bringt sogar Blumen mit.

„Das begriffliche Denken analysiert zwar das magische, um es aus dem Weg zu räumen, aber das magische Denken schiebt sich ins begriffliche, um ihm Bedeutung zu verLeihen. […]
Sie sollen Landkarten sein und werden zu Wandschirmen: Statt die Welt vorzustellen, verstellen sie sie, bis der Mensch schließlich in Funktion der von ihm geschaffenen Bilder zu leben beginnt […] Er hört auf, die Bilder zu entziffern und projiziert sie stattdessen unentziffert in die Welt „dort draußen“, womit diese selbst ihm bildartig – zu einem Kontext von Szenen, von Sachverhalten – wird. Diese Umkehrung der Bildfunktion kann „Idolatrie“ genannt werden, und wir können gegenwärtig beobachten, wie sie vor sich geht: Die allgegenwärtigen technischen Bilder um uns herum sind daran, unsere „Wirklichkeit“ magisch umzustrukturieren und in ein globales Bildszenarium umzukehren. Es geht hier im wesentlichen um ein „Vergessen“. Der Mensch vergißt, daß er es war, der die Bilder erzeugte, um sich an ihnen in der Welt zu orientieren. Er kann sie nicht mehr entziffern und lebt von nun ab in Funktion seiner eigenen Bilder: Imagination ist in Halluzination umgeschlagen“

"Sterne und Weltraum/Theisen, Pössel"

Das Bild soll verdeutlichen, dass das, was viele gerne als Realität, Wirklichkeit bezeichnen eher der linken Kugel entspricht, die Welt sozusagen als Scheibe. Der Zwischenbereich wäre ein erster Schritt in die Mehrdimensionalität. Und es folgt die Mehrdimensionalität selbst [entlehnt aus der Stringtheorie. Hier kommen – zumindest – zwei weitere Dimensionen zu unseren vier gewohnten hinzu, die da wären: Raum – Zeit, wobei sich Raum allein durch drei Dimensionen etabliert? Oben/Unten, Rechts/Links, Vorne/Hinten. Also Dimensionen haben damit zu tun, in wie viele unabhängige Richtungen/Freiheitsgrade man sich wegen kann]. Und wenn man in der Goo..-Bildersuche „String“ eingibt, dann kommt nichts zu den Dimensionen, sondern nur schnöde Unterschwäsche. Und die Goo-Bildersuche ist bekannt dafür eine Art vemeintlichen common-sense zu ‚zeigen‘.

Das „Wissenschaftliche Universum“ möglichst bequem gestaltet. Gangbar, nützlich, eines in dem so viele sich gerne niederlassen, um dieses Etikett zu tragen. Weil so hübsch. Und so seriös. Aber leider selten solide und zwar aus anderen Gründen als man auf den ersten Blick annehmen könnte. „Stellt man sich unter ihm etwas vor, hat man es „falsch“ entziffert; wer sich etwa unter den Gleichungen der Relativitätstheorie etwas vorstellen will, hat sie nicht verstanden. Da aber die Begriffe letzten Endes Vorstellungen bedeuten, ist das wissenschaftliche, unvorstellbare Universum ein „leeres“ Universum“

Vorstellen ist immer Viel? Viele Perspektiven und nicht etwas, nicht eine? Das Geflecht, das Viele das man sich vorstellen können muss. Und wau, hier findet sich vielleicht eine Sprungmarke zu Nikolaus von Kues, der es vorstellbar machen wollte, dass das Viele aus dem Einen resultiert, aber eben auf eine Weise, in der das Eine das Viele ist und das Viele das Eine, keine Hierarchie vom Einen abgeleitet zum Vielen. Nächste Sprungmarke zu Spinoza. Cusanus[3] machts über die Linie. Damit kann man sich etwas klar-machen, sehen, meint Kues. Eine Linie die jeden Winkel bedingt. Ein Grashalm, den ich abknicke an einer Stelle und damit jeden möglichen Winkel bilden kann, führe ich ihn zum maximalen Winkel, wird er Linie, führe ich ihn zum minimalsten Winkel, wird er Linie. Linien, Rhizom.

"De Beryllo"

Versuch einer Darstellung des „De Beryllo“ von Kues

 

am Rande:
Katzen wirken nur so Zen-haft unbeteiligt. Tatsächlich verfügen sie über ein ausgeprägtes emotionales Spektrum, aber halt über keine dem Menschen einleuchtenden Ausdrucksmöglichkeiten.Wie Katzen sehen: Eine Ausnahme: Steht der Schweif steil nach oben, heißt das so viel wie: Hallo, große Katze. Denn: Katzen betrachten Menschen als große Katzen [meint scheinbar John Bradshaw, Gründungsdirektor des Instituts für Anthrozoologie an der Universität Bristol]

 


[1] Vgl. Félix Guattari, 1995: Die Schizo-Chaosmose, S. 59, in: Wahnwelten im Zusammenstoss, Hg: Rudolf Heinz
[2]  zu Vilém Flusser: Das Bild, nachzulesen hier
[3] Vgl. Kurt Flasch, 2001: Nikolaus Cusanus, beck´sche Reihe, Denker, S. 40f

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