rennäMdnuneuarF

Die Zeit berichtet über Studiengänge, 77 an der Zahl, in die künftig nur noch Männern inskribieren können.

“Geistliche sehen im Bildungsaufstieg von Frauen eine Gefahr für die Gesellschaft” Ja, weil unter anderem durch ein hohes Bildungsniveau die Geburtenrate sinkt. Und die Hochzeitsraten natürlich entsprechend auch. Also: Frauen, die sich bilden, heiraten nicht so häufig und werden nicht mehr mehrfach-Mutter. Zusammenhang – interessant. Werden sie autark? Warum scheint es für wen eigentlich so fatal, dass weniger geheiratet wird und weniger Nachwuchs in die Welt schlüpft? Ist unser System nicht geeignet für selbstständige Frauen? Genauer – für Beziehungsgefüge, die nicht auf klassischen Rollenverteilungen aufbauen. Panik, diese Zuschreibung lässt sich scheinbar nicht mehr aufrechthalten. Die Ideologie Familie, dahin?

Mal ein Gedankenspaziergang: Besteht vielleicht die Möglichkeit, das Hetero-Beziehungen, vor allem angesichts der Institution Ehe und dem heteronormativen Diktat an sich, kurz: Ideologie Familie (Ehe?) und alles was diese stützt, nicht wirklich sinnvoll sind? Sollte es nicht einzelnen Subjekten jeweils im Eigenen überlassen sein, wie sie sich in Beziehung setzen zu wem auch immer in welcher Art und Weise? Was haben wir von der Schein-Normalität der heterosexuellen Beziehungen? Was ist Liebe und was hat sie mit der Differenz zu tun?  Liegt es nicht nahe, dass Menschen mit ähnlichen Phantasmen, ähnlichen Strukturen zusammen, mit-einander harmonischer agieren und leben könnten (ohne dies körper-geschlechtsabhängig zu denken)? Sex – warum impliziert der Begriff automatisch Penetration und nur dann gilt es als Sex, erklärt es einem bereits die Bravo (Vorspiel, Hauptgang, kurzes Kuscheln, Schlaf) und zementiert dies jede beliebige Männer- oder Frauenzeitschrift? Gebärmutter(hals)krebs: Frauen die sich eher selten der Penetration hingeben, “müssen nur alle 3-4 Jahre zum Frauenarzt”. Penetration (in Verbindung mit der meist doch auch erscheinenden Ejakulation) erhöht das Krebsrisiko (fragen Sie ihre/n Frauenarzt/ärztin). Warum gibt es keine Kampagnen, wie auf diesen Zigarettenschachteln, die davor ein-dring-lich warnen? Es gab eine Versuchsreihe in Australien, bei der Paare eben ihr Sexualleben dementsprechend umgestaltet haben. Es schien einerseits gewöhnungsbedürftig und andererseits sehr bereichernd. Und würde ich mich erinnern, wann und durch wen diese Studie dann schlussendlich veröffentlicht wurde, könnte ich sogar mehr dazu schreiben.

Vielleicht ändere das auch eine Art Bewusstsein für Sexualität. Vielleicht rücken Körper in den Mittelpunkt, statt die Körpermitte ins Zentrum.

Zurück zur Bildung und vor allem den sich bildenden Frauen: Rollenbilder ändern sich. Die Stütze, auf die sich ein (Alt-)Herren-Kaffeekränzchen* stützen konnte, bricht ihnen unter ihren Ellenbogen weg und sie geraten in Panik. Sind sie jetzt noch Männer, wenn Frauen beispielsweise die selbe Arbeit machen wie sie, wenn doch der Beruf häufig wichtiger Moment einer Identifikation war? Natürlich bleiben sie Männer, sie lächeln milde. Abgesehen davon wird es komplizierter für diejenigen, die sich auf Zuschreibungen und Traditionen verlassen haben, weil sich einige als Männer postulieren und entworfen haben eben in Opposition zu einem bestimmten Frauen-Bild. Diese, die lächeln nicht, die grinsen ängstlich oder keifen aggressiv irgendwelche Weisheiten in die Gesichter der Anwesenden. Das Bild verändert sich, das tut es eigentlich schon seit Langem, vielleicht schon immer. Bequem war es nie. Ein Bild repräsentiert vielleicht immer nur etwas und sehen kann man nie wirklich etwas. Was ändert sich eigentlich?

[* und die, die Alt/Frauen-Kaffeekränzchen? Diejenigen, die wiederum nur als Frauen erscheinen/sein können, entlang diverser Stereotype, Rollen_spielen?]

Da fällt mir ein, dass im Kurier vor Kurzem ((15.08.12) ein Artikel war, der besagte, dass es Frauen wieder zurück an “den Herd” ziehe. Einerseits ein Sehnen nach einem familialen Ideal (das es so nie wirklich gegeben hätte) und andererseits, da sie die Doppelbelastung Beruf – Kinder nicht auf Dauer aushielten. Da es scheinbar nicht möglich ist, das Konstrukt Beziehung Vater-Mutter-Kind (eine Idealvorstellung, die quasi zum ‘muss’ wird) zu lösen, in Zusammenhang damit, dass die Sorge und Betreuung gleichermaßen alle Bezugspersonen betreffen kann und darf, stellt sich die Frage, ob´s nicht tatsächlich konsequent wäre, die Universitäten für Frauen zu sperren, auch hier, denn was soll diese Scheinwelt der Bildungswege und Karrieren, wenn sie voll sind mit Phrasen wie “die hat den Job ja nur wegen der Quote”, sonstigen Steinen wie die “gläserne Decke” und den wie genannt, Doppelbelastungen.

Und nochmal: Bequem war es nie. Zumindest nicht für alle. Andererseits bleibt man zu lange sitzen, wenn´s zu bequem ist und bekommt vielleicht noch einen breiten Hintern.

Noch was: Das blanke kotzen kam mir in der Berichterstattung zu Susanne Lothars Ableben, da in jedem zweiten Artikel eine Art Floskel stand wie “sie war nicht schön, aber…” Warum eigentlich schön sein. Wo fängt schön an und wo hört schön auf? Da fällt mir Irigaray ein, die schreibt “manifestiert sich das ‘nichts haben’ vor allem im Sehen, dem Augenscheinlichen, den Blicken nichts bieten können” (vgl. Irigaray 1980:58).

Sinningia macropoda

 

Und all das hat kaum etwas bis nichts damit zu tun was in einem Subjekt vor-sich-geht. Eben weil das Sich schon ein schwankendes ist? Ein trügerisches? Und doch hat es etwas damit zu tun. Es ist ja darin, in dieser Welt mit all dem richtig, falsch, so gehört sichs, so nicht, komme auf die Welt, schließe die Schule ab, studiere flott, bringe Leistung und dann adé (ach ne, da is´ meistens noch die Pension, da darf man dann noch ein Bißchen), blabla. Das gehört doch zusammen. Also wir und diese Strukturen, Normen, Traditionen. Ein Wechselspiel. Da ist nicht einer oder einige, die die bösen Strukturen machen (gemacht haben) und manche armen anderen gehen ein wie vergessene Pflanzen und wiederum andere, die brav nicken kommen durch. Wir machen das alles. Irgendwie. Oder manche wollen Neues, andere wollen lieber Altbekanntes. Die einen einfalten, andere auffalten.

Dann reden viele vom Gleich-sein. Es gibt aber – finde ich – kein gleich-sein. Ich will etwas anderes als andere. Ich bin anders als andere, so wie niemand gleich per se ist. Vielleicht vergisst mensch einfach mal dieses sein dauernd zu verwenden. Mann-sein, Frau-sein. Sein? Sein-an-sich? Wo?

Viel zu viel Selbstverständlichkeiten im Umgang mit ‘sich’ und anderen ‘Sichs’.

Da fällt mir ein Text ein, Jean Clam: Die Gegenwart des Sexuellen, zwischen déhiscence und Inständigkeit, der mich völlig irritiert zurückließ, weil er wie eine Achterbahn zwischen mh ok und was? ah, ok und wiederum hä? pendelt und dahinsaust. Aber die (gewohnten) Selbstverständlichkeiten, die im Bezug zu-einander so vieles nehmen und übersehen lassen, die habe ich in dem Text irgendwie herausgelesen, vielleicht völlig falsch. Aber das macht nix.

 

 

Firmament, das ist die Luft zwischen den oberen und unteren Wassern, es heißt Firmament, weil es ‘fest’ (firme) das obere Wasser trägt. (Thierry v Chartres)

Tagged , , . Bookmark the permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.