Stranden

Warum sitzen AnalytikerInnen?

Manche liegen zumindest halb, hab ich gehört. Im Sitzen oder Liegen kann man auch Filme und Dokumentationen schauen, sich berieseln lassen, sich Fragen stellen: Welche Arbeit bringt welchen Lohn, sichert die Existenz, wie viel Arbeit? Wie viele Menschen arbeiten in einem Bereich, der sie be-reichert, sie erfüllt, ihre Interessen abdeckt und wie viele nicht? Ich selbst hatte den ersten kleinen Job mit 14 und frage mich heute: Warum eigentlich? Schaffsch nix, bischt nix wert. Wenn Menschen in großen Supermarkt-Ketten für eine Vollzeitbeschäftigung ungefähr 1000€ monatlich erhalten, bei einer (im Regelfall) sechs-Tage-Woche, wie soll man das ins Verhältnis setzen zu jemandem, der ließt was ihn interessiert, dann darüber schreibt und über das, was ihn interessiert, vorträgt, also ein Vollzeit-Philosoph beispielsweise, zugegeben, eine sechs- oder auch sogar sieben-Tage-Woche, aber diese gerne. Hierfür bekommt man ungefähr und je nach dem mindestens 3600€ monatlich? Hat diese Person das verdient, weil sie ja “sehr viel dafür gearbeitet hat”? Im Studium, und während des Studiums? Ein, zwei, drei Nebenjobs? Keinen? Ach. Die Eltern. Reiche Eltern für alle. Das Echo kann man noch hören. Aber, wie angedeutet – lassen sich diese Dinge eigentlich nicht ins Verhältnis setzen, die Schräglage ist zu groß und die Verhältnisse sind zu verschieden. Aber eine Schere tut sich auf. Auf der einen Seite jene, auf die so gerne ‘mit dem Finger’ gezeigt wird: ‘die Prekären’, ‘die Kranken’, ‘die Armen’, ‘die Alten, ‘die Jugendlichen’ und so weiter. Auf der anderen Seite die, die mit jenen und über jene arbeiten, leider viel zu oft aus einem Horizont heraus, der den konkreten Lebensrealitäten nicht annähernd gerecht wird, was durchaus auch an den Theorien selbst liegen kann. Theorien, Methoden die unfähig sind, mannigfaltige Realitäten zu beschreiben, sondern nur stumpfe Einzelteile oder Stränge betrachten, Momentaufnahmen. Ja natürlich Momentaufnahmen, denn das menschliche Denken ist gewissermaßen weniger dazu geeignet, Verschiedenes miteinander zu denken? Problematisch ist es, wenn ausgehend von im Eigentlichen Still-Leben dann verallgemeinert wird. Grundsätzlich ist es vielleicht Aufgabe der Wissenschaften, mit Momentaufnahmen zu arbeiten, diese überhaupt zu erzeugen, wie solle sie sonst Wirklichkeiten begegnen, aber wie gesagt, die Umgehens- und Herangehensweise ist es, die problematisiert werden muss. Es ist nämlich im Folgenden problematisch wenn jene Vollzeit-PhilosophInnen-SoziologInnen-PsychologInnen-PädagogInnen etc. dann über beispielsweise soziale Verhältnisse und Phänomene schreiben und hierzu Theorien konstruieren. Von Dingen, von denen sie das meiste nur aus ‘Fachliteratur’ kennen, oder aus ihren Vorurteilen, ihren einseitigen Vorstellungen und Erfahrungen (und das sitzt viel tiefer, als man denkt), und die vielen Theorien, die häufig nichts sagen, und wenn dann höchstens spiegelverkehrt, aber wem erzähle ich das.

Heute Abend war ich auf einem Vortrag, der thematisch durchaus interessant klang, aber irgendwie..ähnlich war wie viele andere auch. Fragen, die im Vortrag aufgeworfen wurden, fanden keine Resonanz, ebenso die Diskussion, voller Überlegungen und Schlussfolgerungen, die sich aus .. was eigentlich Zusammensetzen, dem was einem gerade so passt? Ausschnitte: Der Strukturalismus, also die Linguistik habe die Strukturen gefunden. Welche Strukturen? Ach, die der Sprache. Welcher Sprache? Solche Fragen stellen sich zu selten. Was hier alles still und leise vorausgesetzt wird, …. . Das die Linguistik lediglich eine Möglichkeit, eine Konstruktion zur Frage nach der Struktur von Sprache(n) darstellen könnte, …das steht überhaupt nicht zur Debatte, sondern – wie in vielen anderen Bereichen auch – wird etwas vorausgesetzt, steht als Stütz- oder Eckpfeiler im Raum und somit im Weg.
Bis vor weniger als einem Jahr hätte ich mitdiskutiert, empört, angeregt, interessiert und jetzt… ?  Ist es nur meine kleine Insel, deren Ränder schwinden, oder deren Übergänge sich verschieben? Einige Trümmer besiedeln das Feld und neue Wege, die die alten kreuzen.

Die Dokumentation über Arbeitsmoral, Status, Arbeit/Beruf als Ideologie. Das ganze durchaus humorvoll in Szene und zusammengesetzt: Frohes Schaffen

Ein anderer sehenswerter Dokumentarfilm war dieser: 1+8 Ein Film, der verschiedene Lebenswelten entlang politischer Grenzen abwandert

Eine ganz andere, spannende und wirklich schöne Dokumentation, die auch für nicht-MathematikerInnen intressant sein kann: Dimensions   

Interessant die Art der Unterscheidung zwischen Philosophie und Wissenschaft, vgl. Deleuze & Guattari (2000): Was ist Philosophie? (u.a. das Kapitel “Die Begriffspersonen“)

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