Karten[]Ränder

 

Alpencross

„Die Uniformisierung der menschlichen Aktivitäten
schlägt sich in einem Rückgang der Varianz von Verhaltensweisen nieder“ [Clément, S. 28]

 

Grenzen sind Linien, die auch auf Karten aufscheinen und anzeigen, wo eine Nation, ein Gebiet, ein Land anfängt und endet. Markierungen. Grenzgebiete sind manchmal sehr ländliche Gebiete, kleine Welten, obwohl sie auch Nahtstellen repräsentieren können. Sind es arme Menschen, die in Grenzgebieten leben, meist vergessen vom Landesinneren? Sie leben an den Peripherien, vielleicht vom Handel mit dem Nachbarland und dann kommt es zu politischen Entscheidungen und die Grenzen werden dicht gemacht. So werden sie in die Kriminalität gedrängt durch illegalen Handel, ziehen sie nach und nach fort und es entstehen verlassene Gebiete? „Jede Bebauung, jede Flächennutzung generiert ein verlassenes Gelände“ [Clément, S. 13f] und was bleibt den Gebliebenen?

Dann gibt es ehemalige Grenzen, wie die des „Eisernen Vorhangs“, der sich durch Europa zog und Deutschland in zwei Hälften teilte und Westberlin zu einem Stütz- und Fluchtpunkt machte. Heute nennt man diese Grenzlinie Green Belt, das grüne Band Europas.

Grenzen definieren auch eine Herkunft und somit wohl auch ein Stück weit individuelle Zukunft. Völlig absurd. Ein Stück weit virtuelle Ordnung, gerasterte Oberflächen, die viel zu oft entscheiden, wohin jemand gehen darf. Auch Herkunft ist ein Wert geworden, der Menschen ins Verhältnis zu ihren Möglichkeiten und (globalen) politischen Realitäten setzt. Man denke nur an die europäischen Grenzen, vor allem diejenigen gegen Süden. Gegen Süden. Nachdem man gehn‘ Süden reiste, raubte, kolonialisierte bis es nichts mehr zu nehmen und ordnen gab, will man nun nichts mehr davon wissen und zeigt den kalten Rücken.

Es sind nicht nur Landkarten, die unsere Vermessenheit andeuten. So wie die Welt durch unsere Möglichkeiten und Vorstellungen auf Karten projiziert wird, werden wir auf verschiedenen Daten reduziert und beispielsweise auf/in einen Pass projiziert, inzwischen fallweise inklusive Fingerabdruck, da dieser Datenabdruck wesentlich echter ist, näher am Objekt als ein Foto, die Körpergröße oder das Geburtsdatum.

Aber Karten sind auch schön, oder interessant. Oberflächen, die durchaus Dinge erzählen können. Zerpflückte Landstriche, gerastert und aufgeteilt, zugeteilt, Zonen von Besitz und Macht(gefällen). Und es gibt Landstriche, Areale, die für Menschen eher unzugänglich sind, oder einfach nicht besiedelbar und somit fast sich selbst überlassen bleiben.

„Sucht man einen Vergleich in den Naturphänomenen, kann man sagen,
dass die weltweite Anthropogenisierung zu einem ebenso großen Rückgang der Anzahl [der Artenvielfalt] führt, wie ein Kataklysmus“ [Clément, S. 28]

 

 

 

 

Gilles Clément (2010), Manifest der Dritten Landschaft, Merve Verlag

 Abendland  „Ein Filmpoem über einen Kontinent bei Nacht, eine verdämmernde und gleichzeitig hoch-angespannte Kultur, ein “Abendland”, das sich – oft etwas selbstbesessen – als Gipfelpunkt der menschlichen Zivilisation sieht und gleichzeitig als Dienstleistungsgesellschaft sehr pragmatisch vor sich hin wuchert: Nikolaus Geyrhalter sieht sich um in einem Paradies, in dem das Beschützen auf ganz verschiedene Weise verstanden wird“

Keine Insel – Ein Film über eine Reise nach Lampedusa „Während im goldenen Mitteleuropa Fremdenhass und Rassismus geschürt werden, sind die Aussenposten der Festung Europa damit alleingelassen Menschlichkeit walten zu lassen“

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