seltsame Kurven I

Mir wurden religiöse Ansichten unterstellt. Warum, weil ich sagte, dass auf unserer Welt alles zusammengehört, alles verbunden ist, schlussendlich und ich auf Studien pfeife, die zeigen, wie sehr der Profit des Konzerns X aufgrund des Düngemittels R gestiegen ist. Studien mit ihren Ergebnissen werden aufeinander gestapelt, Studien, die nicht gefallen erfahren das Urteil nicht den wissenschaftlichen Ansprüchen zu genügen. Wissenschaftliche Ansprüche, so scheint es mir manchmal, zielen vor allem auf eines ab: Befriedigung des Verstandes. Der verschobene Akt der Masturbation macht sich breit in einem Bereich, der von Lacan gerne hier und da imaginär genannt wird. Imaginär ist daher sehr treffend, da sich die Wege des Verstandes sehr gerne verschleiern, passiert dies nicht ohnehin selbsttätig, geschieht es in den Wissenschaften gar systematisch. So wäre es dennoch gerade hier wünschenswert, Dinge zu hinterfragen, und nicht voraus zu setzen. Zu hinterfragen allen voran die eigenen Ansprüche oder Widerstände, aber jene zeigen sich meist auf verquerem Wege und außerdem sichern sie das Ziel – die Befriedigung. Schaut man sich das Treiben auf der Erde so an, liest man sich durch die vergangenen +-2000 Jahre, dann fragt man sich schon, was wir da eigentlich tun. Was verbirgt sich hinter den gewordenen Fassaden, die durch Begriffe wie Kultur eine Verdichtung erfahren? Und warum gibt es so viele seltsame Kurven und nur wenigen scheint etwas aufzufallen?

Es sind Riten, die Kulturen zusammenhalten und ihre Form sichern. Hume beschreibt, wie sich der Verstand diese Riten aneignet, seine Bedürfnisse anpasst. Das ist aber k e i n ‚Reifeprozess‘, sondern ein Akt, der aus Angst vor Ausschluss einerseits und andererseits aus dem Drang nach Befriedigung resultiert. Mit Althusser könnte man von den Dingen des Überbaus sprechen, mit Freud kämen Begriffe wie Sublimation ins Spiel, bei Lacan spreche man vom Imaginären in der Gesellschaft, manche würden eher vom Symbolischen reden und endlich bei Hall käme der Begriff der Gewalt ins Spiel.

Menschenrechte. Diese erhält nun ein Orang Utan aus Argentinien, nachdem sie über 20 Jahre lang für uns als Objekt herhalten musste. Menschenrechte sind etwas, das wir uns gegenüber unserer Um- und Mitwelt s e l b s t zusprachen, es kommt uns nicht per se zu. Wir sind nicht mehr wert, als unsere Um- und Mitwelt, ganz im Gegenteil, wir wurden zu einem enormen Problem und das ist kaum Gegenstand der Forschung. Wir vergessen das gerne in unserer Kultur der Selbstgenügsamkeit. Ein brach liegendes Feld, sozusagen, wird Zeit, es zu bearbeiten.

Überraschender- oder schockierenderweise wissen die wenigsten, dass Kühe nicht dauernd Milch geben [viele interessante Infos finden sich auf der Seite, kann man nachdenklich werden]. Die meisten Menschen glauben, man müsste sie täglich melken. Blödsinn. Einer von endlos vielen Blödsinnigkeiten, die wir in unserer „Informations- und Wissensgesellschaft“ so glauben und dabei (eigentlich) enorm viel Leid mitverantworten, verursachen. Völlig normal?

Warum keine Kultur der Ästhetik, warum eine Kultur der Normen und Werte, die sich durch beispielsweise Uniformierung und entsprechende Gewalt auszeichnet? „Die Mehrheit ist das Homogene. Sie braucht die Norm zur Machterhaltung, zur Selbstkontrolle wie zur Selbstbestätigung. Dem kann die Minderheit Fluchtmöglichkeiten entgegenstellen, um dem Zwang zur Homogenität zu entkommen. Gegen die Mehrheit kann die Minderheit Fluchtlinien entwerfen, Zwischenräume schaffen, Anders-Werden. Kennzeichen der Minderheit ist ihre Heterogenität: „The minority is nondenumerable, but it may have many elements“ [Verena Conley: Minoritorian. In: Parr, Adrian (Hg.): The Deleuze Dictionary: Edinburgh University Press 2005]. Sie ist nicht auf die hegemoniale Norm der Mehrheit beschränkt – sie kann sich etwas hinzufügen und ist deshalb überabzählbar, es kann – um im Metaphernbereich der Mathematik zu bleiben – keine eindeutige Zuordnung erfolgen [Elias Kreuzmair (2010): Die Mehrheit will das nicht hören. Gilles Deleuze‘ Konzept der littérature mineure. In: Helikon. A Multidisciplinary Online Journal, S. 37]. 

René Magritte, 1929

 

„Und wer regiert den Planeten? -Alle und keiner“ La Belle Verte 

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