Aesthetika

Ein Begriff, weit entfernt von den Überlegungen zur Ästhetik des 18.-19. Jahrhunderts. Ästhetik als ein Begriff, der unserer Wahrnehmung huldigt, dem was wir sind. Sie ist das, was uns überhaupt zu Wesen macht. Sie verkümmert in einer Welt des Asphalts, in der Kunst und Sinnlichkeit in die magere Freizeit verbannt sind (oder in verschobener, verzerrter Weise anderorts wiederkehren). Selbst Theorien können ästhetischen Wert besitzen. Der Umgang mit ihnen. Theorien dienen nicht der Selbstermächtigung, sie dienen dem Spiel. Dem Spiel, dass man auch Orientieren nennen kann, sich orientieren in einer Welt voller Phänomene, deren Teil wir sind. Sind die Triebe nicht überaus flexibel? Warum sind wir es dann nicht, was ist es eigentlich, was diese absurde Zentrierungen fordert? Wir sind, wir leben in einem Wellengang. Eine Bewegung, viele Bewegungen. Wir sträuben uns seit Menschengedenken.

Beth Moon; bethmoon.com; „Heart of the Dragon“ [Madagaskar?]

Wir haben alles was wir brauchen, vor unseren Türen, hätten wir nicht alles asphaltiert. Nie vergessen darf man den konstituierenden Moment des Verstandes, es ist auch Asphalt.

We are like the spider.
We weave our live and then move along in it.
We are like the dreamers who dreams and then lives in the dream.
This is true for the whole universe [the Upanishads]

Fragmente

Da ist die Wissenschaft, die die Bewegungen in Einzelteile zerlegt, um sich orientierbar zu machen. Erkenntnisse in kleinen Schritten. Die Philosophie die aus den Einzelteilen Verbindungen schöpft. Einzelteile sind leider alles, worum sich die meisten drehen, da es einiges gibt, was die Mehrheit nicht hören will. Es gibt aber einige, die sich nicht an diese Teile hängen. Sie können jene variieren, mit ihnen jonglieren. Die Einzelteile könnten einfach kleine Spielzeuge darstellen. Aber sie werden (witzigerweise) jeweils universell. Ein seltsamer Anspruch, ein Anspruch der Selbstermächtigung. Ein Bild eines Säuglings, der an seinem Daumen lutscht.

Die Sprache ist Spiel. Ist viel. Jargon, Dialekt, Diktat, Slang. Bewegungen der Zunge, formen den Klang. Ließt man Michail Bachtin | Михаил Бахтин (der allgemein als Kunsttheoretiker, Literaturwissenschaftler bekannt ist und bei Deleuze als Strukturalist durchgeht), dann ließt man künftig anders. “Der Roman ist künstlerisch organisierte Redevielfalt, zuweilen Sprachvielfalt und individuelle Stimmenvielfalt”.

Sprachen, nein, das Sprechen, die Rede – das was da passiert im Tun, macht Stillstand, weil wir nicht anders können. Wir sitzen fest, sozusagen. Oder manche, oder manchmal, jedes Wesen auf die eigene Weise. Sitzen ist auch bequemer als Stehen und das Stehen ist bei Freud wesentlich verpönter als das Liegen.

 

 

 

 

 

 

 

 la belle verte

Es ist ein faszinierendes Erlebnis, andere Sprachen zu lernen, oder nur ein bißchen in ihnen herumzugehen. Das Russische ist wunderschön, die Klänge so anders, das Kyrillische die reinste Wonne. Das Persische ebenfalls. Die Schriften zeichnen gänzlich andere Muster, es konstituieren sich andere, neue Laute und Formationen. Bei Letzterer ändert sich gar die Richtung des Schreibens und Lesens. Wir sind umgeben von Dingen, die Fließen. Wir analysieren und interpretieren sie zu tode, bestimmen und benennen sie. Weil wir einfach nicht anders können, verzweifelt wie wir sind, weil wir nicht genießen können. Genießen können bedeutet Frieden. Innere Ruhe.

эстетика

Guattari ist einer der wenigen, der die Ästhetik als Paradigma vorschlägt. Die Ästhetik daher, weil sie jeder individuellen Singularität und jedem Moment, jeder Schöpfung, ob freiwillig oder nicht, Raum gibt, ohne Interpretation, ohne Stillstand. Alles was wir sind, sind unsere Sinne. Haut, Geruch, Schmecken, Hören, Fühlen. Schlussendlich all das, was sich daraus produziert. Was produziert sich schon in einer Welt des Asphalts und des Handels, der wirtschaftlichen Zwecke?

Es ist erschreckend, wie sehr wir aus unserer Unmittelbarkeit herauskatapultiert sind. Herauskapituliert, haben wir Angst vor unserer eigenen Unmittelbarkeit. Das zeigt sich in dem, wie wir Lust erleben. Ratgeber und Erkenntnisse versperren die Wege. Den Weg hin zum Bedürfnis nach Berührung. Das Gesicht des anderen zu berühren. Das Berühren und das Berührt werden. Es sind Menschen, die sich begegnen. Schlicht. Ohne Zentrierung auf das Genitale oder andere Fetischismen. Sinnlichkeit, die Nähe. Unser Eigentliches, unsere Unmittelbarkeit, überbaut mit Vorstellungen und Identifizierungen. Fassaden und ihre Inszenierungen. Was kann die Alternative sein? Der Wille zur Macht. Der Wille zur Metamorphose. Das meint, den Willen, mit diesen Masken zu spielen, anstatt sich mit ihnen zu identifizieren.

Was soll man tun in einer Welt, in der wir unseren Boden instrumentalisieren, Lebewesen auf perfideste Weise leiden lassen, nur um unseres illusionäres Bedürfnis nach Befriedigung zu stillen, unsere Träg- und Gleichgültigkeit ihren freien Lauf zu lassen, anstatt frei zu sein. Frei, wir und alles andere auf dieser Welt. La belle verte.

Tianzi Mountain Nature Reserve – China

 

 

am Rande, sehr spannend. Musikwissenschaft und Linguistik im Gespräch über Sinneswahrnehmung in den unsrigen Räumen, dem öffentlichen Raum, sich dem Raum über unsere Sinne nähern: Cultural Broadcasting Archive – Dérive

überaus relevant erscheint ein hier auch ein kurzer Text von Deleuze zur „Idee der Genese in Kants Ästhetik“. Die zufällige Übereinstimmung der sinnlichen Gegenstände mit all unserer Vermögen, anstelle einer Unterwerfung unter eines der Vermögen und das Interesse der Vernunft eben Schönes, anstelle von Zweckgerichtetem hervorzubringen.

Für Guattari vergleich bei Interesse Die Drei Ökologien, Passagen Verlag

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