seltsame Kurven II

„We became clothed in this changing, this feeling garment of flesh“ [Woolf, The Waves]

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Ist der Mensch, angesichts der Realitäten, die er erzeugt, weder vernünftig noch intelligent? Sind diese Begriffe, ebenso wie der der Moral, Konstrukte mit denen wir es uns lediglich möglich machen, daran vorbei zu reden? Aus dem, was und wie der Mensch seit jeher so tut, ergibt sich etwas anderes, über das zu wenig geredet wird. Verantwortung. Und da beginnen auch die Probleme. Daran vorbei reden. Dafür sind Abstrakta, wie sie Theorien oft darstellen, gute Mittel. Zum Zwecke des Uneigentlichen. Das Eigentliche könnte ja die eigenen Gewohnheiten betreffen.

Begriffe wie Ethik und lala Moral werden von vielen gerne, allzu gerne verwendet, in den Mund genommen [das Politische und Wirtschaftliche bilden überdimensionierte Achsen]. Diese Begriffe stellen die Pelzmäntel unter den Begriffen dar. Schaut hübsch aus, nur eine Fassade, nicht mal Maske.
Nicht mal Neugier. Dahinter, das -eigentlich- Obszöne.

Die Tradition der ‚Spezies Mensch‘ zeichnet sich dadurch aus, sich selbst als Maßstab zu nehmen. Ein wawawa Beispiel: „Über ein Bohrloch im Schädel werden Messelektroden in das Gehirn eingeführt, um zu untersuchen, wie ein Affe zählt oder auf Gesichter reagiert. Einen medizinischen Nutzen gibt es nachweislich nicht, die Experimente dienen rein der Befriedung der Forscherneugier“, erläutert Dipl.-Biol. Silke Bitz [Ärztx gegen Tierversuche]

Und hier, ja hier hat Lacan tatsächlich mal etwas absolut Konsequentes gesagt, eine tiefe Form der Erkenntnis: Der Schimpanse erkennt, dass es NUR EIN BILD ist. Und wir Menschen, wir quälen, instrumentalisieren und kleben jene mit Punkten versehen vor einen Spiegel, um etwas über deren Identitätsvermögen zu erfahren. Das nennt man Forschung, Wissenschaft, es wird subventioniert und strafrechtliche Klagen werden abgeschmettert. Soll man lachen oder weinen? Das ist auch unsere Ordnung, in der die Gier und der Profit einiger Wenige und fatalerweise zugleich ‚aller‘ freie Bahn haben. Aber zwei wundervolle Denker weisen den Weg, sich für das Lachen zu entscheiden.

Geld sollte zirkulieren. Es ist eine reine Verrechnungseinheit, nicht mehr und nicht weniger, ralleschnutz. Geld anlegen, sparen widerspricht dem Zirkulieren. Es ist dasselbe wie mit der Bedeutung im Strukturalismus. Sie muss zirkulieren. Dennoch schaffen es einige, eine Fixierung zu fordern, mensch müsse sich entscheiden, männliche oder weibliche Seite; (neurotischer) Stillstand.

So viele seltsame Kurven und Geraden. Ist es doch schon so langweilig und bleibt spannend. Fühlt man sich manchmal, als wäre man 4568 Jahre alt (spielen Sie Lotto?) und nachdem Identifizierungen und Fassaden zerbröckelt sind, bauen sie woanders, aber nicht hier, die darauf folgende Phase der Fadesse und Sinnlosigkeit vorrübergezog, ihre Flecken und Schattenbilder hinterlassen;

Am Rande: Das x finde ich enorm adäquat in der Schrift. Das x stellt einen Platzhalter dar, der Kontext weist diesem dann jeweils jeweilig wiederum Bedeutungskontexte zu. Mit dem * konnt´ ich mich nie so anfreunden. Den _ finde ich gut, da er ein Zögern erzeugt. Das x, das bringt wieder Bewegung in die Schrift, kann es vielleicht den Identifizierungen entgegenwirken?

 

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Lacan, Jacques (1991): „Das Spiegelstadium als Bildner der Ichfunktion wie sie uns in der psychoanalytischen Erfahrung erscheint“, in: Schriften I, Quadriga, Weinheim/Berlin 

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