Nachbarschaften

Nachbarschaften, Gastfreundschaften. Willkommen heißen, ohne zu fragen, wer bist du.

Sex

Lustgewinn erleben die meisten gemeinsam, zumindest zu zweit. Warum ‚Gewinn‘? Welches Denken bringt im Bereich von (geteilter) Lust, von zeitloser Umarmung den Begriff Gewinn hervor? Geht es doch um ein Miteinander, ein Spiel von Hingabe und Entspannung. Niemand gewinnt, niemand verliert. So könnte es sein. Wie auch immer. Klassisch, Mann und Frau. Die üblichen phallozentrischen Praktiken, Sexualitäten lediglich orientiert an der De/tumeszenz des seinigen. Der eine hat Organ sei Dank einen quasi direkten und sehr einfachen Zugang zu so etwas wie dem direktem ‚Lustgewinn‘. Sie nicht. Könne man hier von einer Art Sublimierungsleistung ihrerseits sprechen, bei ihm aber nicht?
U.a. daher strich Lacan sie durch und deshalb konnte er phallozentristisch orientiert sagen, dass sie sich auch auf etwas anderes beziehen könne. Gibt es eine präzisere Beschreibung der heterosexuell geprägten Gesellschaft, als jene Lacans? Nein, denn man kann soweit gehen, den Fetischcharakter der Heterosexualität herauszustreichen und dann kann man beschreiben, dass sie, wenn sie sich auf den Phallus beziehe, durchaus Fetischistin sein müsse und das .. würde evtl. so einiges erklären. In klassischer Konstellation bildet sie sich ihren Lustgewinn quasi ein, er nicht, denn er erlebt ihn unmittelbar, oder zentralisierterer Weise und dies erweckt den Eindruck ungeheurer Intensität? Den Eindruck, lediglich. Aber einer, der scheinbar lohnt, festgehalten zu werden. Man muss sich herausschälen, um zu erkennen.
Zugegeben: Eine sehr organische Herangehensweise, sind es aber unsere Körper, die wahrnehmen, die erleben, somit sie sie unser Quell. Was machen wir damit? Wir denken…. Genau jene Quelle wird gerne mißachtet. Ihr Körper soll hier nicht nachstehen, im Erleben von Lust und Intensitäten. Dasselbe vermag sie zu erleben, aber nicht zentralisiert – vielleicht ist das, that´s the point(e).

Nathalie Djurberg, 2009, Experimentet (detail)

Nathalie Djurberg, 2009, Experimentet (detail)

Menschen und ihre Kategorien. Die Kategorien erdenken, auf das sie sich realisieren. Es sind nicht nur zwei Welten, es sind zwei Universen, und doch nur (k)eines. Nun ist dies nicht ihr Schicksal, seines auch nicht. Nur wird er seinen Bonus, der eigentlich keiner ist, dennoch und oftmals auf diese oder jene Art durchsetzen (sei es sexuell, sei es verschoben). Simmel hatte, wie hier angerissen, interessante Ideen zu diesem „Frau setzt sich via Mann mit Welt auseinander“-Thema. So quasi. Und dabei sind es Masken, ihre Masken, die sie zu tragen hat, um im Symbolischen zu erscheinen. Aber es sind auch seine Masken. Es begegnen sich keine Menschen, es begegnen sich vielmehr Rollen, mit denen sich (überkreuz) identifiziert werden kann.
Spielt mit den Masken, sich identifizieren, das ist pfui. Für eine neue Form der ‚Reinleichkeitserziehung‘! Und Atomkraft nein Danke!

Es gibt ein paar Menschen auf dieser Welt, die beide Seiten nachvollziehen können, diese zwei Fassaden manchmal durchschreiten können. Wobei es diese zwei Seiten eigentlich nicht gibt. Wird witzigerweise auch klar. Denn, gibt es n Geschlechter, die sich auf n Weisen verbinden können… genau dieses verVielfachende scheint für manche verwirrend zu sein. Denn, wir leben in einer Welt, die wir dichotomisiert/neurotisiert haben. Wurden uns unsere Körper genommen, sozusagen? Sie werden uns genommen, um sie in dichotome Verhältnisse zu setzen, wir setzen sie, warum? Jedes autarke Gefühl spricht etwas anderes.

Man muss die Sache mit der Entwicklung (im Sinne von Fort-Schritt) anders denken. Zu schnell denkt man linear: als würde etwas ‚vorwärts gehen‘, nur weil Zeit vergeht, großer Trugschluss!

Lustgewinn erleben, und nicht nur durch den/am anderen miterleben. Sondern zwei Universen können miteinander, ohne dass das eine sozusagen Ausschluss, Fetischisierung, Gewalt oder sonstiges erfährt. Autarkien, die sich treffen. Sich orientierbar machen, jenseits von was auch immer alles als Phallus eine Realisierung findet, nicht einfach. Ist in unsren Gesellschaften doch alles genau darauf ausgelegt. Eine absurde Zentrierung auf etwas, das es nicht gibt, oder nicht für alle. Ein kurzweiliges Versprechen.

Geld

Nachdem sich Sex und Fleisch so schön verknüpfen ließ, wechseln wir nochmal die Ebenen und auch nicht. Phallozentrismus und Kapitalismus, Geschwister im Geiste. Manche nennen es Ideologien, vielleicht ist dies ein zu schwacher Begriff, ob der Verzerrungen die geschehen:
Kapitalismus und Phallozentrismus: Zwei Trichter, durch die (ohne das man es tatsächlich merken könnte) rein Zweck-orientiert ans Ziel gekommen wird und zwar (mehr oder weniger) zack zack. Er benötigt im Schnitt nur 8 Minuten, oder waren es 12, oder 3 Minuten? Sie dagegen locker über 30 Minuten, oder waren es 24? So oder so, wer hat denn heutzutage noch so viel Zeit? Ich darf mir im Schnitt 6 Minuten 30 Sekunden Zeit lassen, bei der Arbeit, aber bitte mit Wertschätzung! Geht´s der Wirtschaft gut, geht´s uns allen gut. Sagt man so. Auch in der Wirtschaft gibt es eine Zentrierung auf etwas, das es nicht gibt, oder nicht für alle. Ein desaströses Versprechen.
Und auch hier werden Stimmen laut, die sich gegen diese Zentrierung aussprechen und Alternativen vorschlagen. Alternativen, die durchaus pragmatisch sind und nicht an ideal zusammengedachten Modellen wie dem homo oeconomicus ansetzen. Zum Beispiel RED, Radical Ecolocical Democracy, eine Idee, in der Produktion(en) als eine Art Service vieler an viele gedacht sind, lokal. In den Händen vieler. Es geht um Partizipation nicht mehr um (zentralisierten) Profit, der lediglich in den Händen weniger landet. Aber geht´s der Wirtschaft gut, geht´s uns allen gut. Im Ernst: Eine Trennung von Politik und Wirtschaft ist ähnlich erstrebenswert wie jene zwischen Politik und Religion.

Eine Philosophin, die auf einem Vortrag davon sprach, was in den letzten 20-30 Jahren feministischer Bewegung erreicht wurde und was nicht. Kein euphorischer Beitrag, sondern einer der nachdenklich stimmte. Ein Vortrag eines Ökonomen, der von der Veränderung der Wirtschaft in de-zentralisierte viele Wirtschaften sprach. Beide sprachen dasselbe an und auch nicht. Beide sprechen irgendwie und im Grunde gegen eine zunehmende Systematisierung (beginnt schon in unserer Antike, und ‚Europa‘ samt seinem Denkhorizont breitet(e) sich auf der Welt aus, wie die Pest damals in Europa, ..pardon). You never can systematize phenomena without harming them!

Imaginäre Ähnlichkeiten und symbolische Analogien. Zwei Paar Brillengläser.

 

[…] außer, wenn ich das auch träumen würde“ – „Aber warum solltest du träumen, dass bei mir das Handy in echt klingelt?“ – „Na, damit ich dich dann fragen kann, ob ich wach bin!“ [Der Tatortreiniger: Der Fluch]

Begleitend und weiterführend, zurück- oder hinführend:
Marguerite Duras: Das tägliche Leben
Virginia Woolf: Mrs. Dalloway

Guattari & Deleuze:Tausend Plateaus, Kapitel 10

RED: siehe Inhalte von und mit Aseem Shrivastava und Ashish Kothari

 

Tagged , , . Bookmark the permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.