imaschinaire

Die Wissenschaften arbeiten auf Basis von Kompromissen, in denen man aus der (im Eigentlichen irreduziblen) Wirklichkeit dennoch einen Blickwinkel wählen muss[?], ein vermeintlicher Moment oder bestimmte Ausschnitte, die behandelt, betrachtet, analysiert, operationalisiert, ..  werden/werden können (stellt sich diese Frage?). Das kann eine Methode sein, aber es geht auch in Richtung Paradigma. Der Kompromiss besteht in dem Schritt, durch den man sich eigentlich aus der Wirklichkeit entfernt, sich distanziert, um einen ‚objektivieren Blick‘ einerseits zu haben, dachte man lange, andererseits, weil uns schlicht nichts anderes übrig bleibt, da wir Wirklichkeit in all ihren Dimensionen eh nicht beobachten, operationalisieren, erfassen können. Man nimmt eine Lupe, oder meistens doch eher ein Fernglas zur Hand und beobachtet, bearbeitet Miniaturen, eigentlich; Anhäufungen des (als) ähnlich Empfundenen, bestimmten(?); Gegenüberstellungen von als unterschiedlich wahrgenommenem, bestimmten(?). Das Resümee aus den Miniaturen, Ideen daraus, die abgeleiteten Theorien usw. dann wieder einzubetten, einzugliedern in sozusagen das Allgemeine ist problematisch und ein Moment der Inbesitznahme, könnte man sagen, Wissen wird produziert. Besteht ein Hang dazu, Dinge abzuschließen, zu zentrieren auf ‚einen Grund‘, auf eine Ebene, um diesen prekären Moment der – zu kurz formuliert – Verallgemeinerung überspringen zu können?  

Definiert und benzeichnet die Psa einerseits diverse Elemente und Phänomene als imaginär, so begegnet man eben solchen Elementen auch innerhalb dieses Diskurses, als Teile von Voraussetzungen und Theorien (das Imaginäre lädt das Symbolische auf?). Allein die Idee einer Meta-Ordnung, wie sie die Sprache darstellen solle und innerhalb der Psa nach Saussure (und quasi nach Lévi-Strauss) mit Lacan sozusagen recodiert wurde, ist problematisch. Sind Ideen von Meta-Ordnungen doch immer etwas imaginäres und öffnen sie diversen „Notwendigkeiten“ Tür und Tor. 

Aber das ist nur eine Lesart der psychoanalytischen Theorie.

Warum aber immer wieder in allen möglichen Diskursen ein Rekurrieren auf irgendwie geartete Meta-Ordnungen?  Ist es das Lustprinzip, das diese hervorbringt, um am ‚Realitätsprinzip‘ vorbei und drum herum zu gehen? Wobei der Begriff Realität natürlich einiges an Fläche für Projektionen bietet und auch für gewisse Fixierungen. So wäre der Trugschluss, es gäbe eine Art lineare Entwicklung, vom ‚Wilden‘ hin zum ‚Vernünftigen‘, der wiederum Teil der Triebtheorie ist, Teil dieser Bewegung, die einen Raum, viel mehr einen Grund bietet, eine bestimmte Richtung zu gehen, in diesem Fall auch eine bestimmte Form von Kultur zu legitimieren. „Der Grund der Gewalt ist die Gewalt des Grundes“ [Agamben,..]. 

Ähnlichkeiten und Unterschiede. Zwei Richtungen, zwei Maschinen? die ihre Muster ziehen. Wahrnehmen, empfinden, denken (vor allem jenes, welches sich entzieht; „der Verstand verschleiert seine Wege“), orientieren, erleben, erfahren, usw. überarbeiten, verbinden, durchziehen und streichen sich laufend gegenseitig, miteinander, durcheinander. Jemand sagt, das Ich sei nicht mehr Herr im Haus, er spricht außerdem von biologischer und kosmologischer Kränkung. Sein Diskurs wird wiederum vielfach re (oder de)territorialisiert, beispielsweise die Kränkungen gestrichen oder überschrieben mit den Psychologien des Ego, könnte man vielleicht sagen. 

Das schöne an den Wissenschaften, man kann im Grunde (er)denken was geht, was ein Hirn oder auch ein Herz erdenken kann, alles, was jeweils möglich ist. Es gibt unendlich viele Richtungen, es kann ein Weg sein des stetigen Pendelns zwischen verschiedenen Achsen, so kann man laufend Gedanken ‚testen‘, oder dasselbe auf einer einer anderen Ebene: man muss sich nicht eine Disziplin wählen, lediglich einen ‚Blick annehmen/einnehmen‘ [schreibt Callois nicht von der Idee der diagonalen Wissenschaften? Zusätzliche (schräge) Achsen zu den horizontalen, vertikalen]. Egal wie, man muss es nur nachvollziehbar tun, das kann man durch Referenzen auf ..  tun, durch Beweise oder Beweisführungen, manchmal durch logische Schlüsse, oder auch aufschlussreicher Darstellungen usw . Es ist aber weniger ein Feld für Identifizierungen, gibt es überhaupt ein solches Feld für? Dadurch, dass Bedeutungen nie einen fest angestammten Platz innehaben (sein für?), findet sich ein Feld der Möglichkeiten, an vorhandenen Ebenen weiterzutun, woanders an vagen Arealen Eindrücke sammeln, Brachland durchwandern, neue Abzweigungen etablieren. Gilt das nicht auch fürs Leben selbst, könnte es. Wir erleben eine Zeit, in der eine, viele? der vermeintlichen Maschinen so langsam aber sicher auseinander fallen. Sie zeichnen keine eindeutigen Spuren mehr und dies ist kein (herausnehmbares) Phänomen der Neuzeit, es ist Teil der Vergangenheit, deren Metamorphosen und Abzüge?

interessant auch die „Beweglichkeit der Worte“ bei Bergson (2013, 183) und Intelligenz als Fähigkeit zur Reflektion, eine „die über die praktisch nützlichen Anstrengungen hinaus noch einen Überschuß an Kraft zu verschenken hatte. Es ist ein Bewußtsein, das sich virtuell schon die Herrschaft über sich selbst zurück[?]erobert hat. Allerdings muß diese Virtualität noch in den Akt überführt werden“. Was folgt ist die Sprache und  mit ihr auch eine Art Definitionsmacht, die potentiell in Sprache liegt. Kann man ein ‚in der Sprache sein‘, Sprache als eine Art Akt der Selbstermächtigung denken (und weniger als ein Unterwerfen)?

„Das gibt dir eigentlich wie eine andere Brille, die du trägst. Du kannst die Welt ganz anders sehen…“
meint Simcot, einer der über 40 Sprachen (davon 16 fließend) spricht. Sprache ist viel, Redevielfalt, Dialekt, Dichtung, Slang usw. und in der Schrift und im Schreiben formier(t)en sich verschiedene Richtungen und Formen.
„Polyglot Gathering“

 

Streng genommen wäre eine Deterritorialisierung im Sinne Guattaris (und Deleuze) eine Art Wüste-machen.
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