klḗsis, Paulus und der Rest

 

Jean Tinguely (1958), Translation I

Zu zitieren bedeutet immer etwas aus einem Kontext, einem Corpus herausnehmend, dieses in Neues, Anderes einzubetten. Bringt die archäologische Arbeit Agambens etwas hervor, vertieft sie etwas, verzerrt sie Sachverhalte? In „Die Zeit die bleibt“ zieht Agamben einige Zitate aus u.a. den Römerbriefen und den Korinthern heran, und deutet sie, um das, was eine messianische Zeit meinen könnte, zu vertiefen (der Autor ist also Paulus, dessen Geschichte allein des Namenwechsels von Saulus zu Paulus ein Seminar füllen könnte). Es sind immer nur Satzteile oder Passagen aus einem Gesamtzusammenhang und man merkt, Agamben arbeitet an seinem homo sacer Projekt in, man könnte sagen, foucaulianischer Manier, was es interessant macht, zu lesen, da man in seine Gedankenwelt eintritt, das impliziert wohl durchaus aus, nicht alles verstehen zu können. Was man schnell merkt: Übersetzungen der Bibel sind problematisch, kurz: An einigen Stellen merkt man, das die Übersetzungen beispielsweise Luthers tatsächlich schlicht falsch sind, wie auch Köchl 2012 anmerkt. Agamben selbst bezieht sich auf den Text der Nestle-Aland Bibel, altgriechisch und übersetzt wohl selbst. Allgemeinhin glaubt man auch was (christliche) Religion betrifft, der Messias sei der, der am Ende komme, oder es gehe grundlegend um eine Form von Ende oder (damit einhergehender) Ankunft – ein Warten oder Hoffen darauf, aber es scheint nicht nur so zu sein. Sogenannte Heilsversprechungen widersprechen scheinbar dem Eigentlichen Sinn einer messianischen Erfahrung. Vielleicht nimmt sich Agamben Passagen, um etwas Anderes daraus zu machen, wobei er nah am Text, genauer an Textstellen bleibt. Betrachtet man das ganze homo sacer Projekt (welches ich nicht gänzlich umfasse), geht es sehr wahrscheinlich um einen neuen, anderen Gebrauch, auf verschiedenen Ebenen und hiermit berührt er ‚das Sein‘. Psychoanalytische Verweise wird es im Folgenden durchaus geben.

ὡς μὴ | hos me, darüber lässt sich soviel sagen, unglaublich viel. Als-ob-nicht [1]. Dieses interpretiert als „Retardierung der mitweltlichen Bezüge“, wie es Stagi tut?
Zunächst mal ein paar Dinge des Alltagsgeschwätzes: Als theologischer Laie wurde ich mit Auszügen aus den Paulusbriefen konfrontiert und anderen biblischen Texten, in ihrem Original(?), also altgriechisch. Blättert man nun in den Übersetzungen der Luther- oder Mengebibel merkt man schnell, da passiert etwas, es findet so etwas wie eine Moralisierung statt, das ist sehr problematisch, am Ende dieser Seite gibt es zwei Links zu Seiten, die verschiedene Übersetzungen der Bibel online bereitstellen, von Nestle Aland, über die Septuaginta, hin zu Luther, oder King James, bis zu Elberfeld; im Detail finden sich die Unterschiede. Im Eigentlichen gäbe es im christlichen Denken keinerlei Moralisierung, keine ethische Absicht (bei Paulus) und vor allem nichts, was total sein solle, wurde mir gesagt und genau dies unterscheide das Christentum vom Judentum oder dem Islam, welche in den Alltagspraxen aufgingen. Walter Benjamin schreibt, man müsse unterscheiden zwischen einer urchristlichen Gemeinschaft und der kirchlichen, Ekklesia (Über das Mittelalter, GW 2, S.132f). Heidegger schreibt ähnliches in seiner Schrift zur Phänomenologie der Religion. Im Eigentlichen könnte das Christliche etwas bedeuten, das sich niemals einschreibe, es geht, auch wenn es moralisiert wurde, dennoch niemals völlig auf, sagte man mir. So weit so gut, nach einem Gespräch mit von mir sehr geschätzten Theologen bekomme ich ein Gefühl christlicher Lebenspraxis die mir bisher Bekanntes völlig in Frage stellt, denke man nur an die Gebote; aber es seien nur Gebote (und weil sie eben dies sind, implizieren sie immer einen Rest, was sehr relevant sein wird). Sie wurden aber zu quasi-Gesetzen und das eben sei ein krasser Unterschied zu dem, was nun in diesem Kontext eine urchristliche Erfahrung meint. Mit der Sache der Einschreibung begibt man sich in Richtung der Repräsentationen und somit in den Bereich der Macht, ihrer Verteilung, ihrer Bestimmungen, und seien es ’nur‘ die der Bedeutungen. Die Paulinischen Texte scheinen genau das zu unterwandern. Es scheint damals eine gewisse Eile geherrscht zu haben, oder eher das Gefühl für Eile, das wenig Zeit bleibe. Übrig bleibt, da man nicht wissen kann, was damals warum jemand wie schrieb, ein Gefühl von Abstand, völlige Unbegreiflichkeit ob deren damaligen Weltanschauungen. Aber was solls. Mit Aristoteles und Platons Texten wird verfahren, als wären sie gegenwärtig.

chronos und kairós

„der chronos ist das, in dem es kairós gibt, und der kairós ist das, in dem es wenig chronos gibt“ Corpus Hippocratium (S.82)

Der Messias kommt am Tag danach, schreibt Kafka und auch Benjamin, auf den sich Agamben immer wieder bezieht, und versucht damit eine religiöse Erfahrung zu umzeichnen – der Glauben klebt niemals an der klēsis, das Christliche meine im Eigentlichen eine gewisse Verfasstheit gegenüber dem Zeitlichen. Man denke hier an Bergsons Begriff der Dauer? Es gehe nicht um ein Hoffen-auf, oder Warten-auf auf sondern vielmehr um ein stetes Als-ob-nicht. Wenn Paulus von den Weinenden als den ob nicht Weinenden schreibt, stellt er nicht das Weinen dem Nicht-Weinen gegenüber, sondern er vollzieht eine Spannung zwischen dem Weinen und dem Weinen, in der Spannung jegliche Spektren umfassend. Der Begriff des Messianischen schien einer zu sein, in dem sich das Vergangene in das Gegenwärtige schiebt und vice versa, das Messianische sei keinesfalls auf Künftiges hin orientiert. „Und so wie die Vergangenheit in der Erinnerung gewissermaßen wieder möglich wird […] so bereiten sich die Menschen in der messianischen Rekapitulation [ἀνακεφαλαιώσασθαι] darauf vor, sich in der Ewigkeit, die weder Vergangenheit noch Wiederholung kennt, für immer von der Vergangenheit zu verabschieden“ (S.92). Eine Spannung zwischen einem schon und einem noch-nicht und die messianische Zeit als jene, die die Zeit benötigt, um zu Ende zu gehen (vgl. 82). Die dargestellte Zeit, in der wir sind, sei das, was Paulus mit chronos meine, während kairós, (ho nýn kairós – die Jetztzeit), nicht mit einem chronologischen Zeitpunkt innerhalb der Darstellung zusammenfallen kann, es meine die zusammengedrängte Zeit. Den Apostel interessiert die Zeit, die Zusammengedrängt ist, es ist die Zeit, die übrig bleibt, es geht also um die Einführung eines Rests. Für Paulus ist die profane Zeit, chronos: sie erstreckt sich von der Schöpfung bis zum messianischen Ereignis, der Auferstehung. Hier beginnt sich die Zeit zusammenzuziehen und zu enden (vgl. 77). Diese zusammengedrängte Zeit meine Paulus mit dem Ausdruck ho nyn kairós, die bis zur parousía dauere, bis zur vollständigen Anwesenheit des Messias, die mit dem (unbestimmten) Ende der Zeit und dem Tag des Zorns zusammenfällt, hier „implodiert [die Zeit] in einem anderen Äon (Zeitalter), die Ewigkeit“(ebda). Man bekommt manchmal ein Gefühl der Eile, der Hektik, zuallererst eine völlig andere Form im Bezug zur Zeit, zum Zeitalter; aber schlussendlich auch eine Form von Geduld, ein Als-ob-nicht, im Sinne eine Verhältnisses von A zu A, von A zu Nicht-A, zu Nicht-NichtA, um die Schritte kurz darzustellen.

Der faktische Gott von Pierfrancesco Stagi, Königshausen & Neumann, 2007

Der faktische Gott von Pierfrancesco Stagi, 229ff, Königshausen & Neumann, 2007

 Agamben bedient sich auch des „Schnitts des Appelles“, in dem eine Linie in eine noch feinere Linie geteilt wird, was wiederum auch Paulus tat, der die Teilung der Nicht-Juden und Juden teilte, um den Nicht-Nichtjuden zu benennen. Man denke hier an Nikolaus von Kues De non aliud, auf das auch Agamben verweist. Sehr lesenswert (ein Auszug, der an Lacans Seminar XI erinnert: „Das Sehvermögen schaut sich selbst nicht, doch erfährt es im Anderen, das es schaut, die Tatsache seines Sehens„).
Durchaus lassen sich einige der Passagen bei Agamben und seinen Verweisen zu Paulus lesen als Gegenbewegung zur damalig zunehmenden Bürokratisierung ausgehend vom römischen Reich, da die messianische Bewegung (wenn man das so nennen kann) einer Gesetzgebung, die total zu werden scheint, entgegenstand.(S.59). Agamben verweist mit der intuitionistischen Logik, wie sie Kues einführe auf 1 Kor 9,20-23 „wie ein Gesetzloser, nicht seiend ohne das Gesetz Gottes, sondern im Gesetz des Messias“[2], wiederum Letzteres ist das der Berufung und zugleich Widerrufung, Als-ob-Nicht; Wer im messianischen Gesetz ist, ist nicht-nicht im Gesetz (S.63). Interessant auch die Stelle: „Das Prinzip des Gesetzes ist also die Teilung“ (S. 59); Gesetze haben die Funktion zu teilen und zu trennen, genaugenommen; und wiederum ist das Prinzip der Teilung und Trennung der Kern der Zwangsneurose (vgl. Chasseguet-Smirgel 1989, S. 174, der Sprung scheint vielleicht etwas weit, aber wahrscheinlich durchaus treffend).

Köchl: Das Gesetz des Realen, S. 97

Im Messianischen geht es um Aufhebung, Widerrufung, vor allem auch die der Ansprüche auf Identität. Die Paulinische klēsis ist vielmehr eine Theorie über die Beziehung zwischen dem Messianischen und dem Subjekt, die ein für allemal mit dessen Ansprüchen auf Identität und Eigentum abrechnet. Auch in diesem Sinne ist das, was nicht ist (ta me onta), stärker als das, was ist (vgl. S.53).

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Entspannen wir uns nun und unterbrechen wir die Anstrengung, mit der wir den größtmöglichen Teil der Vergangenheit in die Gegenwart hineindrängen.
Wenn die Entspannung vollkommen wäre, gäbe es kein Gedächtnis und keinen Willen mehr. […]
Nehmen wir zunächst den höchstmöglichen Platz in unserem eigenen Bewußtsein ein, um uns dann nach und nach sinken zu lassen,
so haben wir durchaus das Gefühl, daß  unser Ich sich in leblose, einander äußerliche Erinnerungen auseinanderdehnt..  (Bergson SE, S. 231/238)

Exkurs: Im Sinne Bergons, erlebe ich beispielsweise im Warten, oder auch in der Ungeduld meine eigene Dauer, ungeduldig wartend würde ich so auf eine andere Dauer geführt, und immer bilde die Dauer den Hintergrund der Wesensunterschiede, „während der Raum lediglich der Ort, die Umgebung gradueller Unterschiede ist“ (Deleuze, 47). Das Gedächtnis ist eine Art Kontraktion der Materie, sie bildet eine Art künstliche Einheit (vgl. Deleuze S.39, Bergson SE, S. 231). Es ist äußerst spannend zu lesen, wie Bergson Jetztzeit, oder man könnte sagen temporale Gleichzeitigkeit, zu beschreiben versucht und es deutet, so finde ich, auf eine äußerst sensible Wahrnehmung hin. „Wenn ich sage, daß mein Wasser auf meiner Herdplatte heute ebenso kochen wird wie gestern und daß dies mit absoluter Notwendigkeit so ist, spüre ich dumpf, wie mein Vorstellungsvermögen die Herdplatte von gestern über die heutige projiziert […] und daß es infolgedessen so scheint, als müsse auch der Rest zur Deckung kommen, aus dem gleichen Grund, aus dem die dritten Seiten zweier übereinandergelegter Dreiecke miteinander zur Deckung kommen, wenn die ersten beiden kongruent waren“ (Bergson SE, S. 246f).

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Stagi (2007), S.229

Der faktische Gott von Pierfrancesco Stagi, 229, Königshausen & Neumann, 2007

Um die messianische Erfahrung der Zeit zu demonstrieren bedient sich Agamben der Form des Gedichts, der Sestine: Sie besteht aus der regelhaften Wiederholung der homophoben Endsilben, sie wird durch die (regelhafte) Wiederkehr der sechs Reimwörter strukturiert, die jeweils die Verse der sechs Strophen abschließen. Und am Ende faßt eine tornada die Reimwörter zusammen, indem sie sie im Innern der drei Verse kombiniert, die Wiederholung der Reime wird durch die Ordnung der retrogradatio cruciata beherrscht: ein Wechsel von Inversion und Progression. Die Zeitliche Struktur würde nun deutlich, in dem daß jedes der Reimwörter ein anderes Reimwort (oder besser: sich selbst als ein anderes) aus den vorangehenden Strophen wiederaufnimmt und erinnert. ..jedes Reimwort kündigt zugleich seine eigene Wiederholung in den folgenden Strophen an, schlussendlich nimmt die tornada die Reimwörter wieder auf, rekapituliert sie in einer neuen Folge (vgl. S.98ff).

Also da nun wären, Agamben, Paulus, vielleicht auch Johannes und die Offenbarung. Die Erfahrung der klēsis setzt Formen von Identität außer Kraft, sie fordert genaugenommen die Aufhebung von Identitäten; im Sinne einer messianischen Erfahrung finde Berufung und zugleich Widerrufung statt. Das hier bereits genannte ὡς μὴ lässt sich lesen als „Retardierung der mitweltlichen Bezüge“; es ist schwer nachzuvollziehen, welches die lebensweltlichen Bezüge damals gewesen sein könnten. Eines scheint mir halbwegs klar zu sein: Es geht entgegen einer Verzweckung. Die damalige christliche Bewegung schien, wie gesagt, der zunehmenden Bürokratisierung, die vom römischen Reich ausging, entgegengestanden zu haben. Es ging um Lebenswelten auch ohne Eigentum – vielmehr – ohne die Ansprüche darauf, ein Leben, in dem Dinge nicht verzweckt werden, das scheint ein grundlegender Impetus gewesen zu sein. Daher lassen sich scheinbar einige Passagen bei Paulus mit einigen von Marx naheführen; im hos me finde sich für Paulus der „einzig mögliche Gebrauch weltlicher Zustände“, eine Enteignung, die keine neue Identität gründe, allein schon aus Gründen der Vergänglichkeit; deswegen kann, wer dem Verlorenen treu bleibt, nicht an irgendeine Identität oder weltliche klḗsis glauben (vgl. 2 Kor 5,17;  S. 37, S.41,  S. 53).

Agamben durchquert die Ebenen der Zeit, des Gesetzes, ebenso wie die der Sprache und scheint auch für einen anderen Gebrauch von Sprache zu plädieren, einer, der auf keine Zwecke aus ist. Spannend, denkt man an das „Subjekt der Aussage“, wie es bei Lacan genannt wird, das volle und das leere Sprechen. Sage ich Ich, bin ich schon im Bereich von Identität, vielmehr bin ich das, wenn ich zu diesem genannten Ich Formen von Existenzen hinzufüge und damit eventuell einen Zweck verfolge, ‚mich auszusagen‘. Ich bin.. . Das ist etwas, das dem Vergänglichen nicht treu bleibt, es schon negiert.

Agamben verweist auch Kafkas Text Von den Gleichnissen, um die Form des (messianischen) Gleichnisses überhaupt zu deuten. „In diesem Sinn kann man sagen, daß die messianischen Gleichnisse – wie das Gleichnis vom Sämann bei Matthäus – immer Gleichnisse von der Sprache, d.h. von der Repräsentation des Reichs sind, in denen nicht nur das Reich und sein Gleichnis, sondern auch das Wort vom Reich und das Reich selbst nebeneinandergestellt (para-ballo) sind, so daß das Verständnis des Vergleichs mit dem Verständnis des logos tes baiseleías zusammenfällt. Im messianischen Gleichnis nähern sich signum und res significate an, weil in ihm die bedeutete Sache die Sprache selbst ist. Mit Gewißheit ist dies auch der Sinn – aber auch irreduzible Ambiguität – des Kafkaschen Gleichnisses, des Gleichnisses“ (S.55). Vielleicht steht das nun in Zusammenhang mit eben Besprochenem, vielleicht auch weniger.
„Was die Interpretationen nach dem Buchstaben angeht, so habe ich mich schon an anderer Stelle über diesen Punkt geäußert; aber man wird genug darauf hinweisen können: Es gibt keinen wahren Sinn eines Textes. Der Autor hat hier keine Autorität. Was immer er hat sagen wollen: er hat geschrieben, was er geschrieben hat. Einmal publiziert ist der Text wie eine Apparatur, deren sich jeder auf seine Weise und nach seinen Möglichkeiten bedienen kann: es ist nicht sicher, daß der Erbauer sie besser verwendet als irgendein anderer. Wenn er im übrigen sehr wohl weiß, was er machen wollte, so trübt doch gerade diese Kenntnis in ihm die Wahrnehmung dessen, was er wirklich geschaffen hat“ [Paul Valéry, Werke I, 524]

 

Es ist aber auch schwer, zu übersetzen. Luther bezog sich auf die bereits ins Lateinische übersetzte Bibel. Ein Beispiel des Altgriechischen, der Ausdruck en tó nýn kairó | τῷ νῦν καιρῷ Langenscheidt:
En: inmitten, unter zwischen, in Gegenwart von / in, an, binnen, während, im Verlauf / vermittelst, durch
: das, deshalb
nýn: jetzt, soeben, nun, unter solchen Umständen .. / der jetzige, gegenwärtige / nun aber, so aber
kairó (nun ó oder ô?): richtiges Maß, richtiges Verhältnis, rechter Zeitpunkt, günstiger Augenblick, passende Zeit, Zeit, (auch Nutzen, Vorteil)

und welche Ahnung haben wir denn nun eigentlich, von den Lebenswelten von vor ca. 2000 Jahren?

Mosaik aus dem 5. Jahrhundert, im erzbischöflichen Museum in Ravenna

 

 Giorgio Agamben (2006): Die Zeit die bleibt – Ein Kommentar zum Römerbrief, Suhrkamp Frankfurt aM, 

Stefan Köchel: Das Gesetz des Realen; Dissertation Universität Graz, 2012, erschienen 2013 im Lit Verlag

Des Weiteren:
Spannend, 1 Kor 7,1: „Über die Unverheirateten“  . Sehr interessant, da sich hier das Relative im Christlichen zeigt. Relevant ist vielleicht immer nur ‚der Rest‘. Es ist auch eine der Passagen, auf die sich Agamben bezieht, aber wie gesagt, nur auf die Stellen „Die Zeit ist gedrängt“, „.. die Weinenden als die Nicht-Weinenden“, und hier findet sich die Nestle-Aland Version

wenn schon die Rede von Übersetzungsproblemem ist: Nikolaus von Kues: de non aliud in Latein

G. Deleuze (2007): Henri Bergson, zur Einführung, Junius Verlag
Henri Bergson (2013): Schöpferische Evolution, Meiner Verlag

 

[1] 1 Kor, 7, 29-32: 29 Τοῦτο δέ φημι, ἀδελφοί, ὁ καιρὸς συνεσταλμένος ἐστίν· τὸ λοιπόν, ἵνα καὶ οἱ ἔχοντες γυναῖκας ὡς μὴ ἔχοντες ὦσιν 30 καὶ οἱ κλαίοντες ὡς μὴ κλαίοντες καὶ οἱ χαίροντες ὡς μὴ χαίροντες καὶ οἱ ἀγοράζοντες ὡς μὴ κατέχοντες, 31 καὶ οἱ χρώμενοι τὸν κόσμον ὡς μὴ καταχρώμενοι· παράγει γὰρ τὸ σχῆμα τοῦ κόσμου τούτου. 32 Θέλω δὲ ὑμᾶς ἀμερίμνους εἶναι. ὁ ἄγαμος μεριμνᾷ τὰ τοῦ κυρίου, πῶς ἀρέσῃ τῷ κυρίῳ·

[2] 20 καὶ ἐγενόμην τοῖς Ἰουδαίοις ὡς Ἰουδαῖος, ἵνα Ἰουδαίους κερδήσω· τοῖς ὑπὸ νόμον ὡς ὑπὸ νόμον, μὴ ὢν αὐτὸς ὑπὸ νόμον, ἵνα τοὺς ὑπὸ νόμον κερδήσω· 21 τοῖς ἀνόμοις ὡς ἄνομος, μὴ ὢν ἄνομος θεοῦ ἀλλ’ ἔννομος Χριστοῦ, ἵνα κερδάνω τοὺς ἀνόμους· 22 ἐγενόμην τοῖς ἀσθενέσιν ἀσθενής, ἵνα τοὺς ἀσθενεῖς κερδήσω· τοῖς πᾶσιν γέγονα πάντα, ἵνα πάντως τινὰς σώσω. 23 πάντα δὲ ποιῶ διὰ τὸ εὐαγγέλιον, ἵνα συγκοινωνὸς αὐτοῦ γένωμαι.

 

Von den Gesetzen
Dann sagte ein Rechtsgelehrter: Aber wie ist es mit unseren Gesetzen, Meister?
Und er antwortete:
Es freut euch, Gesetze zu erlassen, 
Doch mehr freut es euch, sie zu brechen.
Wie Kinder, die am Meer spielen und mit Ausdauer Sandburgen bauen um sie dann lachend zu zerstören. Aber während ihr eure Sandburgen baut,
bringt der Ozean mehr Sand an den Strand,

Und wenn ihr sie zerstört, lacht der Ozean mit euch.
Wahrhaftig, der Ozean lacht immer mit den Unschuldigen.
Aber was ist mit jenen, für die das Leben kein Ozean ist und für die von Menschen gemachte Gesetze keine Sandburgen sind,
Sondern für die das Leben ein Fels ist und das Gesetz ein Meißel, mit dem sie es gern nach ihrem Ebenbild formen möchten?
Was mit dem Krüppel, der die Tänzer hasst?
Was mit dem Ochsen, der sein Joch liebt und den Elch und das Wild des Waldes für streunende und heimatlose Wesen hält?
Was mit der alten Schlange, die ihre Haut nicht abstreifen kann und alle anderen nackt und schamlos nennt?
Und was mit dem, der früh zum Hochzeitsfest kommt und dann übersättigt und müde seines Weges geht und sagt, dass alle Feste Gesetzesübertretungen seien
und alle Feiernden Gesetzesbrecher?
Was soll ich von jenen sagen, außer dass auch sie im Sonnenlicht stehen,
aber mit dem Rücken zu Sonne?
Sie sehen nur ihre Schatten, und ihre Schatten sind ihre Gesetze.
Und was ist ihnen die Sonne anderes als etwas, das Schatten wirft?
Und was heißt, die Gesetze anzuerkennen anderes als sich zu bücken und ihre Schatten auf der Erde nachzuzeichnen?
Aber ihr, die ihr mit dem Angesicht zur Sonne geht,
welche auf die Erde gezeichneten Bilder können euch halten?
Ihr, die mit dem Wind reist, welcher Wetterhahn soll für euch den Weg weisen?
Welches Menschengesetz soll euch binden, wenn ihr euer Joch zerbrecht, aber an niemandes Gefängnistür rüttelt?
Welche Gesetzes sollt ihr fürchten, wenn ihr tanzt, aber über niemandes eiserne Ketten stolpert?
Und wer soll euch vor Gericht stellen, wenn ihr euer Gewand herunterreißt, aber es niemanden an den Weg legt?
Leute von Orphales, ihr könnt die Trommel dämpfen und die Saiten der Leier lockern, doch wer soll der Lerche befehlen, nicht zu singen?
[Khalil Gibran, 2003 [1923]: Der Prophet]

 

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