Feldsalata

“A woman can but be excluded by the nature of things, which is the nature of words and it must be said that if there is something that women themselves complain about enough for the time being, that’s it. It’s just that they don’t know what they’re saying – that’s the whole difference between them and me.” JL – Encore – February 20, 1973

H R GIger

Hansruedi Giger [Februar 1940 ~ Mai 2014]

Das Grübeln über die Weiblichkeit. Männer versuchen, die Katze aus dem Sack zu lassen, gewissermaßen. Frauen nicht, sie sind ja die Katze, denn “von den Frauen unter Ihnen erwartet man es nicht, sie sind selbst dieses Rätsel” [Freud, 92]. Zurück zu Lacan: Lesen-lieben, hassen•Die Materialisten•Genuß des Seins•Das Männchen, polymoprh pervers•Die Mystikerinnen. Das wären die Subtitel zur Seminarsitzung am 20. Februar, 1973. Gott und das Geniessen der Frau der Titel. Ob die von Lacan oder J.A.Miller stammen, weiß ich nicht. Alle, ganz sprechendes-Sein, Männchen. Nicht-alle, die Frau, so stellt Lacan es dar. Ist das – über dem die der Phallus im Bauch der Mutter? Nein, die, das ist Signifikant sagt Lacan [Se XX,80]. Der nichts bedeute. An ihr ist nichts Signifikantes? Da ist nichts, was sie(ch) [also sich, oder siech, hineinsiechen:-] via Bildhaftem einschreibt in eine Ordnung, in eine Symbolische? Lacan symbolisiert, vermutlich war er ganz sprechendes Sein. Vermutlich, zumindest hat er es versucht. Er symbolisiert so:

Dazu sagen kann man viel, vielleicht sogar richtig viel, wenn man ganz sprechendes Sein ist. Manche beschweren sich, das Lacan Quantoren negiert. Für jemanden, der mit Logik nichts am Hut oder Mütze hat, lässt diese empörte Aussage an Harry Potter denken. Quantoren und Harry Potter, da gibts die Dementoren. Dementieren. Also eh..irgendwie.. passt. Naja, also in der Logik streng genommen, negiert man nicht einen Quantor, warum auch immer. ∀ und ∃ sind Quantoren, Allquantor und Existenzquantor. Klar, da kann man nicht einfach sagen: gibts nich. Gibt´s nicht, sagt man, in dem man einen Strich drüber macht.
Interessante Vortragsreihe im Wiener AKH über weibliche Lebenszyklen, Körper. Rätsel, die sprechen. Damit es die Frau dann doch gibt, erstellt man Statistiken. Da sieht man(n) dann was. Aber mehr war schon drinn, in den Vorträgen, nur zu wenig Fragen. Junge Frauen sollen gut aufgeklärt werden, bevor man beispielsweise die Pille verschreibt. Es ist scheinbar schon völlig selbstverständlich, dass sie überhaupt jene nehmen wird. Sexuelle Praktiken werden nicht hinterfragt. Wie auch immer, ein Vortrag drehte sich um unter Anderem: Sabina Spielrein, diese in Analyse bei C.G.Jung war. Bei Recherchen stoße ich darauf: “1936 Verbot der Psychoanalyse in der Sowjetunion”, sowas. Also quasi Psychoanalyse. Wie auch immer: Spielrein. Ich laß von ihr bis Dato nur einzelne kurze Artikel [beispielsweise hier]. Was auffällt ist vielleicht die Art zu Umschreiben statt alles zu erklären zu ‘müssen’, zerklären. Das liegt vielleicht daran: Die. Es ging konkret um Spielreins Text “Die Destruktion als Ursache des Werdens” [1912]. Das Unbewusste scheinbar als tiefere Schicht, eine Art Bild des Meeres, zeitlos. Das wäre ein Sagen von Etwas, das eigentlich nichts sagt und doch alles. Ein ganz sprechendes Sein fängt an zu zerlegen, in Vorbewusstes, Unbewusstes und Bewusstes, oder Ich, Es und Über-Ich und erklärt, versucht zu sagen, versucht zu sehen? Was natürlich nicht unpraktisch ist. Aber .. eigentlich nicht alle(s). Wie auch immer, hier einige Momente zu Spielreins Art zu Arbeiten:”Es findet in der Zeugung eine Vereinigung von männlichen und weiblichen Zellen statt. Jede Zelle wird dabei als Einheit vernichtet und aus diesem Vernichtungsprodukt [vielleicht könnte man sagen: Vernichtungsakt, Anm. von mir] entsteht ein neues Leben” [Spielrein, 466]. Und dann betrachtet sie die Eintagsfliege, bei der dieser Akt Neuschöpfung und Untergang gleichermaßen darstellt. Ähnlichkeiten, Abweichungen. Zurück zu den Menschen: Der männliche Teil löse sich auf, im Weiblichen, diese wiederum geriete in Unruhe und erhält eine neue Form [vgl. Spielrein 467]. Reproduktion ist mehr als Fortpflanzung, mehr als Trieb, der zum ‘Ziel’ kommt, es ist Auflösung, Verformung, Erneuerung. Statt haben. Metamorphosen.

“Das Meer (‘die Mutter’) in das man vordringt, ist das dunkle Problem, der Zustand, in dem es keine Zeit, keinen Ort, keine Gegensätze (oben und unten), weil es noch ein Undifferenziertes, kein Neuschaffendes und deshalb ein ewig seiendes Etwas ist. Dieses Bild des Meeres […] ist auch zugleich das Bild des Unbewussten, welches zugleich in Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft, also außerhalb der Zeit lebt, für welches alle Orte miteinander verschmelzen (zum Ursprungsorte) und für welches die Gegensätze das gleiche bedeuten” [Spielrein 469, weiterlesen lohnt].

Subjekt◊Kultur

Wie auch immer, es sprach auch Susie Orbach, die sich sehr mit der Thematik Körper beschäftigt. Sie meinte unter Anderem, dass in den alten Theoriestrukturen “bodies a kind of waste of mind” wären [zugegeben, mein Englisch ist überhaus schlecht, in sofern sind die Wiedergaben mit kleinen Fragezeichen versehen, zustimmen würde ich dem eigentlich nicht]. Wichtig bei ihr neben dem Körper: Die Kultur. Also das Ding, in dem wir sind und werden, wir werden im Sinne von, dass unsere Bezugspersonen wiederum in Kultur sind. Schönes Beispiel, Beißen statt Küssen, als Ausdruck von Zuneigung, wie es irgendwo (noch) Sitte ist. Katzen machen das dauernd, meine zumindest. Kultur, Montaigne verknüpft das mit Gewohnheit:”Denn da jeder Mensch eine geheime Achtung vor den Meinungen und Sitten [..die geltenden seiner Umgebung] in sich trägt, kann er nicht ohne innere Hemmung von ihnen abweichen, er wird stets ein Gefühl der Befriedigung empfinden, wenn er sich ihnen unterwirft” [Montaigne, 73]. Weiter meint er, das zunächst alles Ungewöhnliche als Unvernünftig angesehen wird und wie wenig vernünftig diese Schlussregel sei [74] und zur Destruktion, zum Sterben im Eigentlichen, da bringt er Saturn und Chiron, “ich habe den Tod absichtlich einen etwas bitteren Geschmack gegeben, damit ihr nicht zu gierig und unbesonnen nach ihm greift…”[70].


Zurück zum Vortrag: Sie meinte irgendwie, dass ein Subjekt in diesem Gefüge von Kultur und Körper embodiment betreibt, ist, also etwas darstellt, verkörpert eben und das man etwas ändern müsse, in den Politiken. Ja eh. Aber wo ist die Grenze, wo zieht man Linien. Zunächst: ◊ a (unser eigenst subjektives Umgehen mit ‘uns’ und dem Anderen) und dann kommt Kultur wiederum, natürlich in S und a ist Kultur auch drinn, aber eine Veränderung der Politiken, der Bilder, die uns präsentiert werden, perfekte retouchierte Körper, glatt und fad, also wir positionieren uns dem gegenüber, da beginnt es doch. Von Innen nach Außen, nicht andersrum? Wenn uns keine Diktate mehr präsentiert würden, wie Körper zu funktionieren hätten, wie sie zu erscheinen hätten, ändert das nichts daran, dass dennoch wir im Anderen beginnen und dieser, diese Bezugsperson und diese Gefüge kann.können dennoch Konflikte und Verknotungen bilden (sind Ausgangspunkt), es werden Spuren hinterlassen, welche sich wiederum repräsentieren an und auf Körpern. Weiter ging es dann in der Diskussion mit der Kontrolle, dass wir der Kontrolle über unsere Körper beraubt wären, durch das, was diktiert wird (wenn ich richtig verstand). Kontrolle – bedeutet im Grunde ich wäre Ich und mein Körper ist dieses i c h. Eins zu eins und Ich weiß. Gegenüber den Medien positioniert man sich, gegenüber dem Anderen positioniert man sich. Gegenüber dem medizinischen Diskurs positioniert man sich. Die Welt der Medien, Kultur ändert sich sowieso, laufend, immer schon. Es beginnt aber im und dann beim Anderen? Und das ist eingefärbt von Medien, Kultur und sämtlichen Diskursen, aber bleibt anders.

H R Giger, Mirror

 

Sigmund Freud, 33. Vorlesung, Die Weiblichkeit in: Neue Folge der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse, Fischer Verlag, 1985
Sabina Spielrein: Die Destruktion als Ursache des Werdens, in: Jahrbuch für psychoanalytische und psychopathologische Forschungen IV. Band 1912
Jacques Lacan: Seminar Buch XX, Encore, Quadriga, 1986
Michel de Montaigne: Die Essais, Dietrich´sche Verlagsbuchhandlung, 1953

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