frame◊ing

frame + a = framea = befragen, fragen und aber auch Sakrament,  “einen Ritus, der als sichtbares Zeichen beziehungsweise als sichtbare Handlung eine unsichtbare Wirklichkeit Gottes vergegenwärtigt und an ihr teilhaben lässt”. Hübsch. Fragen, Auseinandersetzung, Konfrontation mit. To get auf of line. Oder: Im Ton abgleiten, aus dem Rahmen fallen: détonner, (coup de) tonnerre – Donner(schlag), détoner – detonieren. Margo – Rahmen, margino – einfassen, einrahmen.

Granatenhagel – modum non excedere

Vor Kurzem gab es eine Podiumsdiskussion. Im Sigmund-Freud-Museum, “Jenseits der Urszene, Fortpflanzung im dritten Jahrtausend”, aufgrund und entlang des Sammelbandes  “Nähe Verbot Ordnung. Genealogische Nachrichten“ von Irene Berkel, Berlin. Der Abend kurz und grob zusammengefasst: Das Buch hab ich nicht gelesen, macht aber nix. Als Wort des Jahres küre ich (oder Wort des Jahrtausends?) “postsexuell”.. im Kontext “postsexuelle Fortpflanzungsmethoden”. Also, Fortpflanzung, das scheint ja das Um und Auf. Darum sorgen sich einige, nicht nur das die Werte verfallen (vielleicht fragt sich mal jemand, was ‘Werte’ meinen könnte, was überhaupt in diesem Begriff drin ist, anstatt inhaltslos herum zu sudern. Oder einfach mal über den eigenen Tellerrand hinausschauen?), es verfalle die ganze K u l t u r. Daher: tauchen immer wieder “Rückrufaktionen” auf, also “zurück an den Herd” (die Weibchen), damit die “Gesellschaft wieder genesen kann”. Damit der Ödipus wieder ins Laufen komme, gerettet wird? Muss er das, wenn er doch so universell ist?  Schlussendlich: damit wir uns brav fortpflanzen, “Autorität der Evolution” [“survival of the shittiest”, Zitat von irgendeinem Poster]. Die Idealisierung der Kleinfamilie. Enge Gefüge, Vater Mutter Kind(er), so und so. Zu enge Gefüge vielleicht, kein Wunder das sich Subjekte in ihren Werdungsprozessen hier herauskämpfen müssen dann und wann.

Autorität der Revolution
Die Gefüge brechen auf, Dinge ändern sich. “Es ist halt so“. Vielleicht, nur mal so am Rand, am äußersten Rand geäußert, etwas meinerseits: Wenn die engen kleinfamiliären Beziehungsgitter/strukturen langsam aufbrechen und sich lockern (ohne sich gleich aufzulösen, unterzugehen,.. die schwarz-MalerInnen bitte ..nicht jetzt), vielleicht werden somit Prozesse wie Verwerfung nicht mehr in ‘der’ Art not-wendig sein? Vielleicht sind diese engen Gefüge mit derart fixierten Positionen hier und da dann und wann auslösend für Verwerfungsprozesse, weil es nicht anders geht. Aus denen bestenfalls dann und wann Verwertungsprozesse werden.

Eigentlich – Gesellschaftskritik, Kritik an der psychoanalytischen Theorie und oder Kritik an der Gesellschaft ‘mit’ oder entlang selbiger – ein Drahtseilakt. Andersrum aber genauso: Psychoanalytische Theorie die meint sagen zu können, warum wir so sind, weil beobachtet wurde schnurz und deshalb blablabla. Hier findet sich ebenfalls ein Drahtseil, welches aber anderen um den Hals schlimmsten Falls gewickelt wird.

Psychoanalyse als absolutes Kompetenzkriterium? [vgl. Derrida, 54f, im Kontext seiner Auseinadersetzung mit Lacan, der ihm ‘andichtete’ in Analyse zu sein]. Werte/r Herr oder Frau Analytiker:     “Mach mal die Augen zu, dann siehste wat deins is” 

Berkel kritisierte die Psychoanalyse, weil sie nach wie vor rigide Ansichten vertreten würde und wer anders denkt, “fliegt raus”, meinte sie, als ich wiederum versuchte, ‘die’ Psychoanalyse nicht ganz so schlecht dastehen zu lassen. Anzumerken, dass die Theorie im Grunde eh nicht nur derart festgefahrene Momente hat und (inzwischen/immer schon) einige TheoretikerInnen/AnalytikerInnen mit den Veränderungen ‘mitgehen’, in Frankreich gibt es eine Petition, in der sich einige AnalytikerInnen dagegen verwehren, dass die Theorie dazu missbraucht würde, gegen Adoptionsrechte von Gleichgeschlechtlichen Paaren oder genauer: Elternschaft lesbischer Paare, zu argumentieren. Aber, Berkel meint: Das seien Ausnahmen. Nach wie vor sind es viele und vor allem die “großen Institutionen” die sich eben nicht bewegen, nicht mitgehen.
Mh, ich gehöre keiner an. In gewisser Weise kommt man an ihnen teilweise nicht vorbei, aber vielleicht ist es doch nur viel Fassade, außen Hui und sonst..nichts? Und rausfliegen ohne wirklich ‘drinn’ zu sein.. so, what schells (optimistisch oder naiv). Die nächste Wortmeldung: Die Toleranz gegenüber Homosexuellen muss auch Grenzen haben, … er mache sich Sorgen um, .. vor allem die Kinder. … ja was sagt man dazu. Berkel sagte ihm einiges. Kampits sagte einiges und die entsprechende Person setzte sich zunächst wieder hin oder so. Ja, eh. Jedenfalls, ein weiterer Aspekt ist auch der: Muss man alles ‘wissen’-können? das Designbaby zusammenstellen, sichergehen können, was da dann schlüpft. Hauptsache “etwas Schönes”, ein schönes Kind, weil “schöne Menschen haben mehr Erfolg”. Wo beginnt ‘schön’, wo hört es auf, ab wann ist jemand schön und ab wann nicht mehr? Selbe Sache wie mit ‘den Werten’. Es gibt nun auch genetische Partnerschaftstabellen, oder so. Man vergleiche, wie gut es passt. Eine fragte, ob man sich das dann über´s Bett hänge, diese zwei Tabellen, dann. Wahrscheinlich, ja. Eingerahmt, versteht sich. Rahmen – ja natürlich, notwendigerweise. Aber nicht aufgepfropft von Gewohnheit und Konvention.
Nachdem nun die “Biologie Gott abgelöst” hat und beispielsweise auch “Kinder als Repräsentanten der heterosexuellen Vereinigung” nicht mehr ‘herhalten’ .. ja was nun .. tanzen die Unfruchtbaren, die Kinderlosen, die ‘Außerordentlichen’ auf dem Tisch? Und die nicht mehr fruchtbaren- die ‘Alten’? Das war auch ein interessanter Aspekt, das diese eben von der Sippe abgeschoben, vergessen, abgelehnt würden. Sie sind ja zu nichts mehr nütze, oder haben ihr Soll erfüllt und würden nun in die Ecke gestellt. Wie und was und warum auch immer. Sie können ja auf die lieben Kleenen aufpassen, während die Karriere angetrieben wird, oder der Herd geputzt, oder wie war das?

husch husch ins Körbchen

Ach ja, to get out of line. To line: auch auskleiden, auch linieren. Aber auskleiden ist gut, mit Macrobius grob umrissen, sei der Wortlaut einer Erzählung nur Einkleidung, Verhüllung eines tieferen Sinnes und Sätze die in buchstäblicher Bedeutung mit einem gegebenen Rationalitätsstandard nicht vereinbar waren, würden sich aus verborgenem, tieferen Sinn rechtfertigen lassen (vgl. Flasch 2006:267). Ja, so kommt man dann zu Schlussfolgerungen, in dem man Etwas einen tieferen Sinn unterstellt, oder diesen konstruiert, irgendwas ‘dahinter’ muss es ja geben. Eine Annahme, alles wäre bloßer Schein scheint für die meisten unerträglich. Also braucht man Rahmenlinien, die so tun, als wären sie unser zu Grunde liegendes “das was alles lenkt”? Freud, der etwas entwirft, ein Schibboleth, ein Gesetz und er sorgt dafür, das es nach seinem Tod weiterwirkt. … .
Was liest Freud aus dem Mythos heraus? Für Freud stelle der Ödipuskomplex einerseits das Fundament der Geschlechtswahl dar, die Wahl zur Homo- oder Heterosexualität, dazu weiße dieser Prozess den Platz in den Verwandtschaftsbeziehungen zu und zuletzt finde sich hier die Grundlage der Moral, indem Freud den Komplex universalisiere (vgl. Roudinesco 2006:16f). Ja eh auch, “wer und was bist du“, das ist etwas .. jeweils jeweilig. Aber: Grundlage der Moral? …einer der  einfasst, einrahmt. Mehr nicht. Was würde Freud Heute oder Morgen, oder Vorgestern an statt Gestern ‘entdecken’ und dann daraus machen?

Und das Nachbeten dieser konstruierten ‘Grundlage’ ◊ ohne auch nur wenigstens um zwei, drei Ecken zu denken und/oder ein sein-(los)Lassen ◊ zerstört und erstickt jedes Potential und jede Dynamik, das sich in ‘der’ psychoanalytischen Theorie findet. Bis vor geraumer Zeit, da kritisierte ich und spuckte auf einige Teile ‘der’ Theorie. Aber eben nicht ganz so berechtigterweise. Inzwischen richtet sich meine Kritik an die TheoretikerInnen, die aus der Theorie etwas machen, was sie nur scheinbar ist und/oder vor allem gar nicht ist. Soll man sie (inhaltlich) festmachen, um sich dann daran zu halten? Nein, sie ‘im Kommen lassen’ oder so ähnlich würde das vielleicht ein anderer formulieren. Ja, schät´s it.

begnadeter Street-Art-Artist "Banksy" www.banksy.co.uk

begnadeter Street-Art-Artist “Banksy”
www.banksy.co.uk

Auch als (inzwischen) nicht mehr rauchend (seit nun bald zwei Monaten ♣ ) is das Bild ein so “JA” Bild, viel drinn. Was zum Lesen derweil?
Roudinesco, Elisabeth: Eine Familienszene: Ödipus, in: texte: psychoanalyse. ästhetik. kulturkritik, Heft 2, 26. Jahrgang, Passagen Verlag Wien, 2006
Flasch, Kurt: Das philosophische Denken im Mittelalter, von Augustin zu Macciavelli, 2. Aufl., Reclam Verlag, Stuttgart, 2006
Jacques Derrida: Vergessen wir nicht -die Psychoanalyse!, suhrkamp Verlag, Frankfurt a.M., 1998
zur Petition noch: diese ist en francais und wenn man das nicht kann, errät man mehr oder weniger, um was geht, eine englische Version konnte ich nicht finden, klicke ich links auf ‘Petition english’ gelange ich zu einer anderen Petition, also: um Mißverständnissen in meiner Auslegung der Petition vorzubeuegn…lala)
und doch noch zu Freud: Er war schon nicht ganz so schlecht, ganz im Gegenteil. Die Kritik be/trifft auch eher diejenigen, die ihn lesen wie als eine Art Bibel/Gott-Äquivalent.
Ebenso zu Lacan, der vielleicht irgendwie ein Gockel war, gierig nach Applaus, oder gierig nach….wasauchimmer, aber er war auch über alle Maßen genial und brilliant. Was auch immer, trieb ihn vielleicht geradezu an und führte ihn dorthin, wo die meisten nicht mal ‘im Traum’ hingelangen.
Tagged , , , . Bookmark the permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.