mordere

birth of sin, ~tht-tne

Ich bin, ich ex◊istiere

Sin. Fallen: Nackt, probier doch mal – Einverleibung – kosten – und schon – fällts. In die Welt, raus aus dem Paradies. Schuld.

Sin. Fallen: Anziehen, verbergen, schuldig scheinen, “sich als der Schuld bewusst, etwas zu verbergen” [Copjec, 41]. Ausbaden. Das was war, jetzt müssen. Artefakt.

Sin. Manifest, latent, Rahmen, Bild, tableaux. Diktat, Oberfläche. Reales, Inhalt. Gut und Schlecht. Sagt man, dürfen nicht dürfen, sagt man. Sagt wer, was spricht? So ordentlich. Moralische Zeigefinger, wedelnd. Maßvoll wedelnd, natürlich. Angst. gnóthi sautón. Tag und Nacht. Aufhören, leere Stellen zu leugnen und nur zu sagen, man täte es nicht. Leer machen, ohne wiederum zu (be)werten, zu ordnen. Diese Prothesen. Abbilden, was fehlt. Abbilden, das man fehlt.

Blattschrecke, ausgefaltet

Eine Blattschrecke, bildet ab, um zu fehlen, für jemanden. Etwas, das sie fressen will, aber “…, sie nagen sich gegenseitig an, da sie sich für Blätter halten” [Caillois, 33]. Die Hierige sieht schon etwas angeknabbert aus. Macht sie vielleicht authentischer [authentikós/ authenticus, echt/zuverlässig], in ihrer Mimesis, vor allem im Herbst. Der Satyrus asiaticus macht sich zur Linie, eine Linie aber jeweils nur für den Hinschauenden, indem es “beim Ruhen seine Flügel zusammenlegt […] und sich zudem mit dem Beobachter mitdreht” [ebd. 33].
Mimesis. Machen wir. Dauernd, zumindest (jeweils für) viele. Nachahmen, was ein Annderer schon ‘hat’ und (be)kennt? Angleichen, einreihen. Sich anziehen – Gruppentier. Sich verhalten – Gruppentier. Woher wissen wie? Katalog. Kategorie und Katalog, Faktendarstellung,  Index, systematische Zusammenstellung, grundlegendes Konzept. Damit es uns dann leichter fällt, uns anzuknabbern? Statt (habend) des Neuen, des Anderen, dessen, was fehlt?

“Doch das Nichts ist zu sehr außer sich”

Sagt Merlau-Ponty. Sin. Was fehlt eigentlich. Eigentlich nichts. Gefüge. Gewirr. Einreihen, funktionieren, damit es passt? Was passt? Möglichkeiten. Nicht einer schon vorgegebenen Route folgen, sondern einer, die sich ihren Weg selbst bahnt, “das sich selbst findet im Fortschreiten, das die Gangbarkeit des Weges beweist, indem es ihn begeht” [ebd, 123]. Fehlen, um zu schreiten. Fehlen für?

Zwischenspiel: Was nettes entdeckt, Kalligraphie. Graphicus, fein. “Die Kalligrafie steht im Gegensatz zur Typografie, dem Setzen mit vorgefertigten Formen”. Also ohne vorgefertigte Formen, lässt sich vieles sagen, ohne es zu schreiben. Das Fort und  Dort im Da ließe sich schreiben, malen, fein zeichnen, Wörter im Buchstaben. Entdecken kann man hier, worum es geht. Kalligraphie, etwas fehlt?
Vorgefertigtes. Lässt sich wiederholen, wieder sagen und einen erscheinend machen als.. wissend? Nachahmung? Die Tendenz zur Nachahmung, “verbunden mit dem Glauben an die Wirksamkeit” sagt Caillois und weiter, dass die Nachahmung eine der “beiden Bedingungen für den Fortgang seines sich selbst überlassenen Denkens” sei [ebd. 34].

Sinn. Gewirr. Ist es immer. Ausbaden. Schwimmen. Ordnung, in sich, jeweils, jeweilig. Verworren bleibt es. Will es, darf es. Sein. Dadurch klar. liquid. significans. Vertrauen, ruht. Was ist das, da rechts, Kalligraphie? Eine Zeichnung? Voller Verwirrung? Freud ist verwirrt. Der Gesichtsausdruck im feminin gezeichneten Männerkopf, die schlappbrüstig gezeichnete weibliche Brust und dann auch noch diese Extremitäten, Fehlleistungen, die Beine ‘passen’ nicht, hier habe Leonardo männlich und weiblich vertauscht. Sowas.

Körper ∞ Sprache 

Ein Körper denkt sich, sich, das nicht zu seiner Verfügung steht, hört nicht auf mit sich, Masse, Zucken, Fall, Fleisch, Faser, Geruch, Vernunft, Geschmack [vgl. Nancy – Corpus]. Da ist es, immer wieder, klar, unsinnig sinnvoll. Hören. Will man seinen Körper etwas erleben machen, was er nicht will, vielleicht nicht so, nicht braucht, irgendwas. Lauschen.
Wie war das eben, nach-ahmen, reproduzieren, tut man im Bild, das man ist und gibt und wirft und tut man auch im Bild außer sich. Walter Benjamin ist da zwar einerseits nur lala andererseits doch ganz intressant. Die Illusion, in dem zu sehen Gegebenen [das ist ein Zitat eigentlich, von Lacan, sagt er sicher im Seminar XI], die Illusion, in dem da Gesehenen. Im Film sei die illusionäre Natur die des Schnitts. Geschnitten um aneinander zu reihen. Um Bewegung zu erzeugen. Illusion, zusammenfügen, was fehlt? Fügen wir uns zusammen, be-kleiden, be-wegen, weil etwas fehlt, Prothesen, aus dem Griechischen, πρό (pro) „vor, anstatt“ und ϑέσις (thesis) „das Setzen, Stellen“. An – Statt – etwas stellen, um Statt zu haben. Subjekt. Haben. Die Möglichkeiten ändern sich, die des Statt habens. Die Bilder ändern sich. Es faltet sich auf. Entfaltet sich.

Knabbern ◊ Identifzierung

Das wird jetzt lala. Wir verschlingen den Anderen. Weil das die leichteste Art sei, sich zu identifizieren. Nachahmen? Knabbern und Beißen. Sich finden? Daher immer wieder diese Gebetsmühlen der Reproduktion? Vielleicht ist da mehr zu denken und zu sagen, als der Komplex der Nachahmung. Aber nicht heute. Draußen zieht Nebel auf. Nebel ist auch so was. Da wird alles dumpf. Nebel verschluckt. Selbst Töne, Klang, alles dumpf. Draußen mitten in der Stadt kann es plötzlich angenehm still sein, leise. Geräusche nur mehr dumpfe Töne von irgendwoher. Knabbern, beißen, im Lateinischen mordere. Der kleine Tod.

Körperhüllen, wie Staubsaugerbeutel

gefunden auf: www.biotechnologie.de

Wie diese, ein Bärtierchen, die können öfters lange tod sein. Zwischenspiel, übrigens. Bei Wassermangel sterben sie, sozusagen, vorübergehend. Sie mögen Moos.

Sigmund Freud: Eine Kindheitserinnerung des Leonardo da Vinci,  GW: VIII, 1910, [obiges Bild ist ein Link zum Text]

Roger Caillois: Meduse et Cie, Brinkelmann & Bose, Berlin, 2007
Maurice Merleau-Ponty: das Sichtbare und das Unsichtbare, Wilhelm Fink Verlag, 2004

Jean-Luc Nancy: Corpus, diaphanes Verlag, 2007
Joan Copjec: Ließ mein Begehren, Lacan gegen die Historisten, Kirchheim Verlag, 2004 

mantis r.

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